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Robert Musil und Amos Gitaï: Die Ethik des Möglichkeitssinns

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Bernadette Appel

Die literaturwissenschaftliche Studie widmet sich den Werken des österreichischen Schriftstellers Robert Musil (1880–1942) und des israelischen Filmemachers Amos Gitaï (*1950). Die Analyse erbringt erstmalig den Nachweis, dass sich Gitaï in seinen Filmen mit dem berühmten Musilschen Möglichkeitsdenken auseinandersetzt. Vor dem aktuellen Hintergrund des Israel-Palästina-Konfliktes wird der Möglichkeitssinn dabei als innovatives und visionäres Modell erkennbar, das sich sowohl in ethischer, in medienphilosophischer und letztlich auch in aktuell-politischer Hinsicht als Transmedium einer beweglichen kritischen Praxis auszeichnet.

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IV Fazit: Der ‚Möglichkeitssinn‘ als Transmedium einer ‚Ethik des Unfesten‘

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IV Fazit: Der ‚Möglichkeitssinn‘ als Transmedium einer ‚Ethik des Unfesten‘

7 Die Trennung von Moral und Ethik zugunsten einer ‚Ethik des Unfesten‘

Ausgangspunkt des ‚Möglichkeitsdenkens‘ ist der Abschied von einem unbeweglichen und eindimensionalen ‚Wirklichkeitsdenken‘, das angesichts seiner ideologischen Erstarrung keinen Raum für die Überschreitung der ‚wirklichen Möglichkeiten‘ hin zu den ‚möglichen Wirklichkeiten‘ neuen Seinkönnens bietet. Die der Ideen- und Orientierungslosigkeit erlegene und auf den Krieg zutreibende Welt des ‚Seinesgleichen‘ verbindet mit den starren normativen Satzungen des ‚Wirklichkeitssinns‘ die Hoffnung, Ordnung in eine Gesellschaft bringen zu können, die aus den Fugen zu geraten droht. Musil kritisiert, dass „die heute noch herrschende Ethik […] ihrer Methode nach eine statische [ist], mit dem Festen als Grundbegriff“.1 Im Bild des väterlichen Hauses findet sich jene statische Regelmoral des ‚Wirklichkeitssinns‘ repräsentiert, der im Zuge des ‚Möglichkeitsdenkens‘ der „Versuch einer unstarren Moral“2 entgegengesetzt werden soll, die sich als „unfest, weder wahr noch falsch“3 begreift und „in der moralischen Norm nicht länger die Ruhe starrer Satzungen [sieht], sondern ein bewegliches Gleichgewicht, das in jedem Augenblick Leistungen zu seiner Erneuerung fordert.“4 Der ‚Möglichkeitssinn‘ übt Kritik an der „bürgerliche[n] Abenteuerlosigkeit“5 und fordert, „das Gebiet der moralischen Umfriedung zu verlassen“, um zu „Konstituentien einer neuen Ethik“6 zu gelangen. Die Differenzierung zwischen Moral und Ethik ist zentral für die Systematik des ‚Möglichkeitsdenkens‘ und analog zur Differenzierung zwischen ‚Wirklichkeitssinn‘ und ‚Möglichkeitssinn‘ zu verstehen. Zwar fällt...

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