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Friedrich Corleis (1853-1896)

Uhrmacher und Dichter aus Altona

Christoph Prignitz

Der Uhrmacher Friedrich Corleis ging 1873 nach Altona, damit in ein Zentrum der deutschen Uhrenfertigung. Dort leitete er bald ein bedeutendes Uhrengeschäft. Corleis besaß eine ungewöhnliche Doppelbegabung. Immer wichtiger wurde ihm seine literarische Tätigkeit. Er schrieb Gedichte, veröffentlichte viele Theaterstücke und fand regionale Anerkennung. Kurz vor seinem frühen Tod schuf er 1895 mit der Tragödie der Idee sein bedeutendstes Werk. Mit der Tragödie beteiligte sich Corleis an der Diskussion um die Lage der Arbeiter und den Weg in eine bessere Zukunft. Der Held der Tragödie wendet sich gegen die Unternehmer, aber auch gegen die Funktionäre der Arbeiterpartei. Er fordert mehr freie Zeit für jeden und verbindet damit die Vision vom allseitig gebildeten Menschen. Friedrich Corleis findet hier einen spannenden Lösungsansatz in einer der zentralen Fragen des späten 19. Jahrhunderts.

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4 Resümee

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Friedrich Corleis lebte nach den Erwartungen, die das späte 19. Jahrhundert an den ‚guten‘ Bürger stellte. Der Uhrmacher Corleis war fleißig, energisch, zielstrebig, er war denn auch beruflich ungemein erfolgreich, er kam voran. Corleis wurde zum Musterbürger. Man kann ihn angepasst nennen, denn er fügte sich lange ohne Aufbegehren ein. Er entsprach dem, was im wilhelminischen Zeitalter gewünscht war: Würdig, gutbürgerlich, so schaut uns Friedrich Corleis auf dem erhaltenen Porträt an. 1889 fand in Hamburg eine Gewerbe- und Industrieausstellung statt. Eine Zinnmedaille zu dieser Ausstellung trägt die Umschrift: „Arbeit ist des Bürgers Zierde / Segen ist der Mühe Preis“170. Corleis wird das ohne Vorbehalt unterschrieben haben.

Literarisch passte Corleis’ Werk in seine Zeit und seine Umgebung, der Autor Corleis provozierte nicht. Er bediente verbreitete Wünsche, Hoffnungen, Sehnsüchte. Wichtig waren ihm gemütvolle Geselligkeit, Harmonie und Entspannung als Kehrseite des Fleißes. Es geht um Leben, Empfinden und Denken im Zeichen des ‚Schönen‘ und ‚Wahren‘. Es geht um eine Welt, fern dem Alltäglichen und dennoch nicht im Widerspruch zu allgemein anerkannten Werten. Corleis’ Kunst ist Beigabe zum bürgerlichen Leben, fügt sich ein, sprengt keine Grenzen.

Corleis wurde durchaus Anerkennung zuteil. Viele Büchlein wurden gedruckt, Aufführungen fanden wohlwollende Besprechungen. Friedrich Corleis hatte ein großes Ziel: ein bekannter Dichter zu werden. Das ist ihm trotz seiner Produktivität, was die Nachwelt angeht, jedoch nicht gelungen. Der Altonensien-Almanach...

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