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Rumäniendeutsche Seinszusammenhänge und weitläufigere Bezüge

Literarische Kommunikation in der deutschsprachigen Literatur Rumäniens - das Fallbeispiel Joachim Wittstock

Edited By Maria Sass, Olivia Spiridon and Stefan Sienerth

Dieser Band beleuchtet am Einzelbeispiel des in Hermannstadt/Sibiu lebenden Schriftstellers Joachim Wittstock größere Zusammenhänge der deutschen Minderheitenliteratur in Rumänien. Einblicke in biografische Episoden, persönliche Erinnerungen an den Autor und Analysen seines Werkes wie des sozio-kulturellen Umfeldes bestimmen die thematische Breite dieser Veröffentlichung. Literaturwissenschaftler aus Deutschland und Rumänien, darunter viele Weggefährten und Freunde Joachim Wittstocks, nehmen den 80. Geburtstag des Schriftstellers und Literaturhistorikers zum Anlass, ein erhellendes Licht auf sein Werk und auf den deutschen Literaturbetrieb in Rumänien in den 1970er und 1980er Jahren zu werfen. Sie zeigen Möglichkeiten und Mechanismen auf, wie eine Minderheitenliteratur in einer der repressivsten kommunistischen Diktaturen Osteuropas unter schweren Bedingungen fortbestehen und grenzübergreifende literarische Netzwerke aufrechterhalten konnte. Und nicht zuletzt schildern sie, unter welchen Bedingungen ihre Akteure lebten, schrieben, miteinander kommunizierten und dem Druck der Zensur Widerstand leisteten.

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Matthias Bauer (Flensburg): „… dezent magisch, das heißt literarisch …“: Joachim Wittstocks Prosa

„… dezent magisch, das heißt literarisch …“1

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Matthias Bauer (Flensburg)

Joachim Wittstocks Prosa

Abstract: In his prose fiction, Wittstock creates a multilayered diegetic world that relates different periods and frames of reference. Thereby he does not only display the powers of literature to transgress the boundaries of space and time, but to slide back and forth between real settings on the one hand and mindsets on the other. The readers are seduced to question common assumptions and to immerse themselves in a decent magic, poetic way of observation and reflection.

Keywords: Joachim Wittstock, prose fiction

In seinem Prosatext Toskanische Türme bedient sich der Erzähler eines für Joachim Wittstock charakteristischen ‚Zaubertricks‘. Er besteigt in Hermannstadt den Turm des Alten Rathauses, legt dort eine Kopie der Siebenbürgen-Karte von Johannes Honterus aus dem Jahre 1530 sowie „den Abzug einer im 16. Jahrhundert, im Zeitalter der Medici angefertigten Karte des Herzogtums Toskana“ (TT 174) aus und führt dann folgende Operation durch:

Den Zeigefinger der einen Hand legte ich auf jenen Fleck, wo San Gimignano eingezeichnet war, den anderen dahin, wo ich CibinvmHerm.stat las. […] Die Karte links vertauschte ich mit jener rechts. Und wieder suchte der eine Zeigefinger Hermannstadt, der andere San Gimignano. Ich schloss die Augen und murmelte mehrmals per favore […] (TT 178)

um die Gunst zu erlangen, auf wundersame Weise von Rumänien nach Italien versetzt zu werden. Das durch Einbildungskraft, Bildung und Sprache vermittelte Kunststück gelingt: Der Erzähler bewegt sich...

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