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Grammatik und Ideologie

Feminisierungsstrategien im Russischen und Polnischen aus Sicht der Wissenschaft und Gesellschaft

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Edited By Dennis Scheller-Boltz

Dieses Buch beleuchtet das Verhältnis von Grammatik und Ideologie im Russischen und Polnischen. Anhand der Regeln und Normen, die die sprachliche Darstellung von Geschlecht – insbesondere des weiblichen Geschlechts – bestimmen, illustriert der Autor, wie Sprachnormen durch Autoritäten festgesetzt werden, wie Sprachnormen über die Gesellschaft hinweg bestehen bleiben, aber auch wie Sprachnormen durch die Gesellschaft verändert werden können. Im Fokus stehen dabei die Fragen: Wie weit ist die Feminisierung des Russischen und Polnischen fortgeschritten? Welche sprachpolitischen und sprachplanerischen Maßnahmen werden gegenwärtig zur Gewährleistung einer geschlechtergerechten Sprache erhoben? Ist die russische und polnische Gesellschaft überhaupt offen für eine Feminisierung der Sprache? Es zeigt sich: Der Gebrauch sowie die Ablehnung von Feminativa beruhen auf Ideologien – ein Phänomen, dem für gewöhnlich sehr vorsichtig begegnet wird und das im Zusammenhang mit den in einer Gesellschaft vorherrschenden Standpunkten und Bewertungen diskutiert werden muss. Dabei spielen Feminativa im Russischen und Polnischen eine wesentlich größere Rolle als in der Regel gedacht. Feminativa sind auch nicht so ungewöhnlich, wie gemeinhin behauptet. Vielmehr lässt sich feststellen: Ideologien wirken sich auf die Normierung von Sprache und damit auf die Möglichkeiten aus, wie Sprache geschlechtergerecht gestaltet wird – oder eben nicht.

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2.4.4 Weiblichkeit: Morphosyntaktische Spezifika und Kongruenzverhalten

2.4.4 Weiblichkeit: Morphosyntaktische Spezifika und Kongruenzverhalten

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Von maskulinen Personenbenennungen auf -ca oder -ek werden Feminativa mit Hilfe des Suffixes -i(y)ni gebildet: dozorca → dozorczyni, oddawca → oddawczyni, mówca → mówczyni, członek → członkini sowie ferner prorokini, bywalczyni, strzelczyni, krojczyni, mistrzyni (1984: 365f).

Relativ produktiv ist ebenso das Suffix -a, welches an affixlose Maskulina (z.B. kum → kuma, markiz → markiza, blondyn → blondyna, brunet → bruneta), an deadjektivische Maskulina (z.B. chrzestny → chrzestna, radny → radna, woźny → woźna, zastępowy → zastępowa, księgowy → księgowa, przewodniczący → przewodnicząca) oder an Maskulina auf -nik (z.B. bezwstydnik → bezwstydnica, nieszczęśnik → nieszczęśnica, zazdrośnik → zazdrośnica) gekoppelt wird. Feminativa auf -a seien jedoch oft expressiv und mitunter pejorativer Markierung (z.B. blondyn → blondyna, brunet → bruneta, spryciarz → spryciara, szczęściarz → szczęściara, pieszczoch → pieszczocha, wygodniś → wygodnisia, żartowniś → żartownisia), wohingegen häufig existierende Parallelformen auf -ka stilistisch neutral seien (z.B. blondynka, brunetka).

Selten werden Feminativa mittels der unproduktiven Suffixe -owa (z.B. krawcowa, vgl auch bufetowa, salowa, sklepowa in Grzegorczykowa u.a. 1999: 435), -ina (z.B. starościna), -anka (z.B. koleżanka) und -ówka (z.B. Żydówka) gebildet.

Produktiv seien ebenso Suffixe, die zur Bildung von Verwandtschaftsbenennungen herangezogen werden. Auch Grzegorczykowa u.a. (1984: 335, 386) betonen hier, dass mit Hilfe solcher Suffixe lediglich Personenbenennungen gebildet würden, die die väterliche Abstammung (Sohn und Tochter) oder die Zugehörigkeit einer Frau zu ihrem Ehemann kennzeichnen, wohingegen eine sprachliche Kennzeichnung der mütterlichen Abstammung oder die Zugehörigkeit eines Mannes zu seiner Frau im Polnischen nicht vorgesehen...

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