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Weltanschauung und Textproduktion

Beiträge zu einem Verhältnis in der Moderne

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Edited By Anna S. Brasch and Christian Meierhofer

Weltanschauungen haben zwischen 1850 und 1945 in Deutschland Konjunktur. Als philosophische, wissens- und wissenschaftshistorische Diskursangebote reagieren sie im Prozess der Moderne auf entstehende Synthesemängel, auf Ganzheitsverluste und auf das, was zeitgenössisch schlicht ‚Zersetzung‘ heißt. Vor diesem Hintergrund entsteht ein Korpus an Texten, das sich nicht unter dem Rubrum der ‚Weltanschauungsliteratur‘ allein fassen lässt. Die hier versammelten Studien widmen sich der Heterogenität und Transformation weltanschaulicher Textproduktion. Dabei liegen die Schwerpunkte auf diskurs- und konzeptgeschichtlichen Voraussetzungen, auf Gattungskonventionen und Darstellungsformen, auf buch-, medien- und theatergeschichtlichen Praktiken sowie auf der Reflexivität, Reichweite und Schließung des Diskurses.

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Weltanschauungsliteratur in der Wiener Moderne. Die Politisierung des Dialog-Essays bei Leopold von Andrian (Barbara Beßlich)

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Barbara Beßlich

Weltanschauungsliteratur in der Wiener Moderne. Die Politisierung des Dialog-Essays bei Leopold von Andrian

Abstract: Around 1900, the poets of ‘Junges Wien’ modernised and fictionalised the essay. In that period, Hofmannsthal’s Erfundene Gespräche und Briefe mainly covered aesthetic topics. Later on in the 1930s, Leopold von Andrian politicised the literary genre of “invented dialogue” or dialogue essay. Andrian used this text form in order to write in a fictionalised manner against the annexation of Austria to Hitler’s Germany.

Keywords: Essay, Literature of Weltanschauung, Viennese Modern Age, ‘Junges Wien’, Leopold von Andrian, Hugo von Hofmannsthal, ‘Kulturkritik’

Denkt man an Weltanschauungsliteratur der Wiener Moderne, so fallen einem wohl als erstes die zahlreichen Essays von Hermann Bahr, die Kriegsfeuilletons von Felix Salten in der Neuen Freien Presse, die späten Schriften von Richard Schaukal oder auch die Münchner Schrifttumsrede von Hugo von Hofmannsthal ein. All diese eher kurzen Texte schalten sich mehr oder weniger direkt in die politisch-gesellschaftlichen Belange Österreichs ein und bemühen sich mit kulturkritischem Furor und faktualem Anspruch um umfassende Sinngebung in Krisenzeiten. Gattungsästhetisch innovativ sind diese Texte nicht.

Zugleich ist das Junge Wien dafür bekannt, dass es um 1900 den Essay poetisch erneuert,1 vor allem durch die erfundenen Gespräche und Briefe Hugo von Hofmannsthals, die fiktionales Arrangement und kritisch-theoretische Reflexion in eigentümlicher Weise verbinden.2 Der Brief (1902) des Lord Chandos oder das Gespräch über Gedichte (1903) sind hier nur...

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