Show Less
Restricted access

Weltanschauung und Textproduktion

Beiträge zu einem Verhältnis in der Moderne

Series:

Edited By Anna S. Brasch and Christian Meierhofer

Weltanschauungen haben zwischen 1850 und 1945 in Deutschland Konjunktur. Als philosophische, wissens- und wissenschaftshistorische Diskursangebote reagieren sie im Prozess der Moderne auf entstehende Synthesemängel, auf Ganzheitsverluste und auf das, was zeitgenössisch schlicht ‚Zersetzung‘ heißt. Vor diesem Hintergrund entsteht ein Korpus an Texten, das sich nicht unter dem Rubrum der ‚Weltanschauungsliteratur‘ allein fassen lässt. Die hier versammelten Studien widmen sich der Heterogenität und Transformation weltanschaulicher Textproduktion. Dabei liegen die Schwerpunkte auf diskurs- und konzeptgeschichtlichen Voraussetzungen, auf Gattungskonventionen und Darstellungsformen, auf buch-, medien- und theatergeschichtlichen Praktiken sowie auf der Reflexivität, Reichweite und Schließung des Diskurses.

Show Summary Details
Restricted access

Eine Textform als Weltanschauung. Die Instrumentalisierung der Ballade durch Börries von Münchhausen (Thomas F. Schneider)

Extract

Thomas F. Schneider

Eine Textform als Weltanschauung. Die Instrumentalisierung der Ballade durch Börries von Münchhausen

Abstract: Within the efforts of the German extreme political right against literary modernism ballads were instrumentalised as a ‘German’ literary genre. Authors like Börries von Münchhausen tried to establish their political and cultural attempts by writing and publishing ballads in which they combined ‘völkische’ (folkish) ideas as Weltanschauung with political utopia. This essay examines and describes these attempts of the extreme political right, focusing on Börries von Münchhausen, his texts and political activities between 1900 and 1945.

Keywords: Börries von Münchhausen, ballads, nationalism, poetry academy, extreme political right

I

1963 hatte Walter Müller-Seidel einen Abgesang nicht nur auf die Textform ‚Ballade‘, sondern auch auf die literaturwissenschaftliche Beschäftigung mit ihr formuliert:

Und wie die Ballade in der Form der Kunstballade seit Bürger der Geschichte angehört, so bleibt auch die gattungsgeschichtliche Betrachtung in unserer Wissenschaft an diese Epoche gebunden. Alles hat seine Zeit. Aber die Zeit der Ballade in den uns geläufig gewesenen Formen ist gewesen.1

Müller-Seidel reagierte damit im literaturwissenschaftlichen Diskurs auf die fortdauernde Beschäftigung mit der Textform unter Kriterien, die noch auf Goethes letztendlich fatales ‚Ur-Ei‘-Postulat zurückgingen und (im historischen Diskurs) nahezu bedingungslos die Wertungen und Bewertungen aus dem extrem rechten Diskurs der Zwischenkriegszeit und des Dritten Reiches fortführten. Die ←303 | 304...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.