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Et in Arcadia ego. Rom als deutscher Erinnerungsort

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Edited By Joanna Jabłkowska and Karolina Sidowska

Dieses Buch bezeugt eine fortwährende Faszination für die Ewige Stadt, nicht nur in vergangenen Epochen der Klassik und Romantik, sondern auch in der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur – unter anderen bei Wolfgang Koeppen, Ingeborg Bachmann, Rolf Dieter Brinkmann, Hanns-Joseph Ortheil, Uwe Timm und Josef Winkler. Rom bleibt ein wichtiges Ziel für (Bildungs-)Reisen, Ort für Stipendienaufenthalte (Villa Massimo) und ist stets Quelle der abendländischen Kultur im europäischen Bewusstsein. Die Auseinandersetzung mit dieser Tradition, vor allem mit Goethes kulturprägenden Bildern aus der Italienischen Reise, mit der realen Stadtlandschaft und ihrer Ikonographie in der Pop-Kultur verläuft in der Gegenwartsliteratur oft kritisch und dient nicht zuletzt der Reflexion über eigene private oder nationale Ansprüche und Identitäten.

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Römischer Karneval oder ‚die verbotene Frucht der Freiheit‘ – Fanny Lewalds Italienisches Bilderbuch (1847): (Carola Hilmes)

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Carola Hilmes

Abstract: Für Frauen bedeutet das Reisen einen beträchtlichen Gewinn an Freiheit, der sich auch in ihrer schriftstellerischen Arbeit niederschlägt. Das Italienische Bilderbuch von Fanny Lewald enthält ein langes Romkapitel, in dem sie u.a. über den römischen Karneval berichtet und dieses Volksfest als ein erfreuliches demokratisches Ereignis darstellt – anders als Goethe, der in seiner vielbeachteten kleinen Studie vor der Anarchie des römischen Karnevals warnt. Lewalds in die Form einer Novelle gekleidete, anschauliche Schilderung orientiert sich allerdings weniger an Goethes illustriertem Bericht als an Mme de Staëls Beschreibung des Lebens in Rom, die sie in ihrem Roman Corinne ou l’Italie präsentiert. Das Referenzproblem fiktionalisierter Reisebeschreibungen spielt für beide Schriftstellerinnen keine Rolle.

Schlüsselwörter: Rom, Frauenreisen, Fanny Lewald, Vormärz, Berufsschriftstellerin, Karneval, Intertextualität

Seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert ist Italien, auch für die reisenden Frauen, eine vertraute Fremde. Das gilt für Norditalien und Rom, im Unterschied zu Neapel und Süditalien.1 Verkehrstechnisch und touristisch gut erschlossen, ist das Land, in dem die Zitronen blühen, auch literarisch vielfach beschrieben worden; vor allem Goethes Italienische Reise in den Jahren 1786 bis 1788 (publiziert 1816–1817) hat Vorbild- und Orientierungsfunktion für die Reisenden im 19. Jahrhundert und ihre Berichte.

Für Fanny Lewald (1811–1889) bedeutet ihre erste Reise nach Italien Befreiung aus väterlicher Bevormundung und familiärer Kontrolle. Als sie im Sommer 1845 mit 34 Jahren in Begleitung einer...

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