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Et in Arcadia ego. Rom als deutscher Erinnerungsort

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Edited By Joanna Jabłkowska and Karolina Sidowska

Dieses Buch bezeugt eine fortwährende Faszination für die Ewige Stadt, nicht nur in vergangenen Epochen der Klassik und Romantik, sondern auch in der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur – unter anderen bei Wolfgang Koeppen, Ingeborg Bachmann, Rolf Dieter Brinkmann, Hanns-Joseph Ortheil, Uwe Timm und Josef Winkler. Rom bleibt ein wichtiges Ziel für (Bildungs-)Reisen, Ort für Stipendienaufenthalte (Villa Massimo) und ist stets Quelle der abendländischen Kultur im europäischen Bewusstsein. Die Auseinandersetzung mit dieser Tradition, vor allem mit Goethes kulturprägenden Bildern aus der Italienischen Reise, mit der realen Stadtlandschaft und ihrer Ikonographie in der Pop-Kultur verläuft in der Gegenwartsliteratur oft kritisch und dient nicht zuletzt der Reflexion über eigene private oder nationale Ansprüche und Identitäten.

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Umdeutung der Rom-Chiffre nach dem Faschismus: Wolfgang Koeppen, Werner Bergengruen, Marie Luise Kaschnitz, Ingeborg Bachmann: (Joanna Jabłkowska)

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Joanna Jabłkowska

Abstract: Der Artikel analysiert vier Rom-Aufzeichnungen von deutschsprachigen Autor_innen, die in der ersten Phase der Nachkriegszeit entstanden. Die Frage nach dem Einfluss (oder der Einfluss-Angst vor) der Romliteratur-Tradition stellt sich von selbst, denn Anspielungen auf Goethe, Burckhardt und andere berühmte Rom-Reisende sind an vielen Stellen intentional Teil der hier gewählten Texte. Allerdings wird die alte Kulturtradition – sowohl die christliche als auch die antike – nach dem Zweiten Weltkrieg von dem faschistischen Erbe, dem Italien Mussolinis überschattet, das gerade in den deutschsprachigen Reisereminiszenzen vertieft reflektiert wird. Doch die Hauptfrage des Artikels gilt der Funktion der Romliteratur in der beginnenden Nachkriegszeit. Gelte – wie die Forschungsliteratur oft betont – die heutige Reiseliteratur vorwiegend der Ich-Inszenierung der Autor_innen? Oder haben die italienischen ‚Selbstinszenierungen‘ auch eine andere Funktion, eine Funktion, die seit Jahrhunderten die Rom-Reisen begleitet und die man als ‚Deutschlandinszenierungen‘ deuten kann?

Schlüsselwörter: Rom, Wolfgang Koeppen, Werner Bergengruen, Ingeborg Bachmann, Marie-Luise Kaschnitz, Erinnerungsort

Die jahrhundertelange Tradition der Italienreisen wird als ein wichtiges Kulturerbe nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgenommen, doch – so Gunter E. Grimm – „Die Wahrnehmung erfolgt nicht mehr durch die ‚Brille Goethes‘.“1

Drei Dimensionen der Rom-Erfahrung scheinen sich in der frühen Nachkriegszeit miteinander zu verflechten: die Verpflichtung gegenüber der ästhetischen Tradition, die immer noch – im Widerspruch zu Grimms Behauptung – in vielen Fällen dominiert, die bittere, nahe Erinnerung an Mussolinis Faschismus und seine Verflechtung mit der deutschen NS-Vergangenheit und nicht zuletzt die sinnliche Erfahrung der...

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