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Et in Arcadia ego. Rom als deutscher Erinnerungsort

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Edited By Joanna Jabłkowska and Karolina Sidowska

Dieses Buch bezeugt eine fortwährende Faszination für die Ewige Stadt, nicht nur in vergangenen Epochen der Klassik und Romantik, sondern auch in der zeitgenössischen deutschsprachigen Literatur – unter anderen bei Wolfgang Koeppen, Ingeborg Bachmann, Rolf Dieter Brinkmann, Hanns-Joseph Ortheil, Uwe Timm und Josef Winkler. Rom bleibt ein wichtiges Ziel für (Bildungs-)Reisen, Ort für Stipendienaufenthalte (Villa Massimo) und ist stets Quelle der abendländischen Kultur im europäischen Bewusstsein. Die Auseinandersetzung mit dieser Tradition, vor allem mit Goethes kulturprägenden Bildern aus der Italienischen Reise, mit der realen Stadtlandschaft und ihrer Ikonographie in der Pop-Kultur verläuft in der Gegenwartsliteratur oft kritisch und dient nicht zuletzt der Reflexion über eigene private oder nationale Ansprüche und Identitäten.

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Queeres Rom literarisch. Homosexuelle Topografien in Texten von Hubert Fichte, Wolfgang Koeppen und Josef Winkler: (Artur Pełka)

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Artur Pełka

Abstract: Ausgehend von Italien als Topos der Erfüllung von nicht heteronormativen (Liebes)Sehnsüchten lotet der Beitrag exemplarische queere Topografien der ‚Ewigen Stadt‘ in der deutschsprachigen Literatur aus. Vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Homosexuellenverfolgung werden die in Rom angesiedelten Werke von Hubert Fichte, Wolfgang Koeppen und Josef Winkler auf ihre ‚Homotextualität‘ hin befragt. Hierbei erweist sich die italienische Metropole nicht nur als geeigneter Ort zur Problematisierung der Intersektionalität, sondern erscheint zugleich als Projektionsfläche für eine narrative Selbstinspektion der Autoren.

Schlüsselwörter: Rom, Hubert Fichte, Wolfgang Koeppen, Josef Winkler, Homosexualität, Homophobie, Nationalsozialismus



„Rom ist eine wunderbare Stadt für Männer.“

Wolfgang Koeppen Der Tod in Rom



Genau am Tag des Mauerfalls fand im Ostberliner Kino International die Premiere des Films Coming out von Heiner Carow statt,1 der einen turbulenten Outing-Prozess des jungen Deutschlehrers Phillip – nomen est omen – Klarmann vor dem Hintergrund der in dem Arbeiter- und Bauernstaat herrschenden Homophobie thematisiert.2 In einer der Filmszenen, die während des Deutschunterrichts spielt, trägt ein mediterran aussehender Schüler Goethes berühmtes Mignon-Lied vor, dessen Refrain „Dahin / Möchtʼ ich mit dir, O mein Geliebter, ziehn“ ein Kichern bei zwei Mitschülerinnen verursacht, worauf ←145 | 146→Lehrer Klarmann aufbrausend reagiert. Diese signifikante Szene, obwohl – oder gerade – weil sie sich in dem von Rom nicht nur geographisch, sondern auch kulturell Lichtjahre entfernten Ost-Berlin ereignet, regt zu einer...

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