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Subjekt und Liminalität in der Gegenwartsliteratur

Band 8.2: Schwellenzeit – Gattungstransitionen – Grenzerfahrungen; Sergej Birjukov zum 70. Geburtstag

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Edited By Matthias Fechner and Henrieke Stahl

Liminalität ist ein Signum der Gegenwart. Die neuere Literatur, insbesondere die Lyrik, nimmt seismographisch liminale Phänomene der Gegenwart wahr und bildet vielfältige liminale Formen und Funktionen aus. Zentral betroffen ist das sprechende Subjekt, das in Transition versetzt wird: Zersetzung, Auflösung, Fluidität, aber auch Transparenz und Transformation öffnen seine Grenzen zum Anderen: zu den Mitmenschen, der Natur oder auch der Transzendenz. Der vorliegende Band vereint Aufsätze, die Liminalität in Bezug auf Schwellenzeit als conditio historiae der Gegenwart, auf Gattungstransitionen und auf Grenzerfahrungen des Subjekts behandeln. Der Schwerpunkt liegt auf russisch- und deutschsprachigen Gedichten. Darüber hinaus werden weitere slavische und ostasiatische Literaturen einzeln und komparatistisch behandelt sowie andere Gattungen, intermediale Formen und philosophische Perspektiven einbezogen.

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Einleitung: Schwellenzeit – Gattungstransitionen – Grenzerfahrungen

Einleitung: Schwellenzeit – Gattungstransitionen – Grenzerfahrungen

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Henrieke Stahl (Trier)

„Unser heutiges Zeitalter: ein liminales Zeitalter?“ fragt die Religionswissenschaftlerin Kim de Wildt.1 Dafür, dass Liminalität ein Signum der Selbstwahrnehmung der letzten Jahrzehnte um die Jahrtausendschwelle in vielen Kulturen, wenn nicht weltweit geworden sein könnte, spricht nicht nur ein erneuertes Interesse für Victor und Edith Turners an Arnold van Gennep2 anknüpfende Studien zur Liminalität, sondern auch das Aufkommen verschiedenster Forschungsthemen und -gebiete, die mit Liminalität oder ähnlichen Begriffen arbeiten. Zu solchen Begriffen gehören Schwelle, Grenze, Transgression und Transition oder, ausgehend von Turners Prägung “betwixt and between”3, Formen von Schwellen- und Zwischenräumen oder -phasen (Dazwischen, Inbetweenness) sowie nicht zuletzt die populären Konzepte des „dritten Raums“ Homi Bhabhas und der – mit zumindest partieller Deckung – „Heterotopie“ Michel Foucaults, aber auch viele weitere verwandte Begriffe wie Transnationalität, Transkulturalität, Hybridisierung, Verflechtung und andere mehr.

Die Liminalitätsforschung hat sich breit etabliert und in verschiedenen Formen institutionalisiert. Es sei auf die interdisziplinären “border studies” mit Studiengängen und Einrichtungen4, Publikationsreihen wie in der Literaturwissenschaft „Literalität und Liminalität“ (herausgegeben von Achim Geisenhanslüke und Georg Mein seit 2007) oder in der Soziologie “Contemporary Liminality” (herausgegeben bei Routledge von Arpad Szakolczai seit 2017), auf diverse Forschungsprojekte wie das DFG-Netzwerk “Narrative Liminality and/in the Formation of American Modernities”5 oder die “Border Culture/Border Poetics Research Group” der Universität Tromsø,6 und nicht zuletzt auf die wahre Flut an Publikationen aus den verschiedensten Fachrichtungen und -konstellationen...

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