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Die Vita des Josef Busnāyā

Eine historische Quelle des Nordiraks des 10. Jahrhunderts

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Ralph Barczok

Der Band ist die erste größere Studie zur Vita von Josef Busnāyā. Diese Quelle beschreibt in großem Detailreichtum das alltägliche Leben im 10. Jahrhundert in einem ostsyrischen Kloster und seinem ruralen Umfeld in einer ansonsten schlecht dokumentierten Zeit und Region. Der Autor veranschaulicht das alltägliche Leben im Kloster, seine ökonomische Grundlage und das Verhältnis der Mönche zu ihrem christlichen und nicht-christlichen Umfeld und analysiert es im Kontext seiner historischen Situation. Das Ergebnis ist eine Momentaufnahme mit erstaunlichen Einsichten in das alltägliche, multireligiös geprägte Leben im Nordirak des 10. Jahrhunderts. Allerdings sind diesen durch die Natur der Quelle als hagiographischer Text Grenzen gesetzt.

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1. Einleitung

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In einer seiner Lehrreden erklärte Josef Busnāyā seinen Schülern, dass es drei Wege gebe, die einen Mönch in das Himmelreich führen: „Entweder in der Zelle in der Abgeschiedenheit zu sitzen; oder die Sorge für die Lehre und die Ordnung im Tempel; oder in den Weinbergen und auf den Feldern zu arbeiten.“2 Wer sich eingehend mit der monastischen Tradition der Kirche des Ostens beschäftigt, wird sich über diese Aussage wundern. In der monastischen Literatur wird immer nur der erste Weg als derjenige, der den Menschen perfekt macht und ihn über alle Dinge erhebt, behandelt. Auch Josef Busnāyā betont im weiteren Verlauf seiner Lehrrede, dass der erste der genannten Wege, das Leben in der Abgeschiedenheit der Zelle, der beste sei. Doch die Tatsache, dass die anderen beiden Wege – d. h. die kirchliche Laufbahn und die körperliche Arbeit – ihre Berechtigung und Würdigung erfahren, ist einzigartig. Josef Busnāyā akzeptiert hier eine Realität, mit der sich die monastische Tradition immer schwergetan hat: Ein Kloster ist nicht nur ein Ort des stillen Rückzugs im Gebet, sondern eine Institution, die wirtschaftet, mit der Außenwelt interagiert, Handel treibt und zahlreiche Besucher hat.

Die vorliegende Arbeit fragt nach dieser Institution und versucht sie in ihren verschiedenen Aspekten zu fassen. Sie konzentriert sich dabei auf nur eine Quelle, nämlich auf die Vita des Josef Busnāyā. Der Autor dieser Vita war Johannes bar Kaldun, der selbst Schüler und Sekretär dieses...

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