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Hebammen, Ärzte und ihr ‚Rosengarten‘

Ein medizinisches Handbuch und die Umbrüche in der Obstetrik des 15. und 16. Jahrhunderts

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Theresa Hitthaler-Frank

Mit dem Aufkommen der ersten deutschsprachigen Hebammenordnungen ab der Mitte des 15. Jahrhunderts kam es zu Kompetenzverschiebungen innerhalb der Geburtshilfe und zur Kontrolle von Hebammen durch Stadträte und Ärzte. Gleichzeitig erschienen die ersten gedruckten deutschsprachigen Hebammenlehrbücher, die von männlichen Autoren explizit an Frauen und Geburtshelferinnen adressiert wurden. ‚Der Swangern Frauwen vnd hebam(m)en Rosegarten‘ (1513) von Eucharius Rösslin beantwortet Fragen zur Praxistauglichkeit der Lehrbücher und zeigt die Rolle männlicher Mediziner und Praktiker innerhalb der Geburtshilfe auf. Diese Forschungsarbeit beleuchtet neben dem Hebammenwesen am Beginn seiner Professionalisierung auch den Buchdruck und seine Rolle bei der Verbreitung obstetrischen Wissens.

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1.2 Quellen und Aufbau der Arbeit

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Der ‚Rosengarten‘ verbindet als Hauptquelle die Inhalte dieser Arbeit und ermöglicht beispielhaft und anschaulich die Diskussion obengenannter Diskrepanzen. Hierfür wurde die digitalisierte Erstausgabe der Nationalbibliothek Wien (Signatur: 68.F.27) verwendet. Wie bereits erwähnt, weist das Lehrbuch eine große Rezeptionsgeschichte auf, aufgrund der hohen Nachfrage kam es im 16. und 17. Jahrhundert zu zahlreichen Neuauflagen. Diese Nachdrucke sind für diese Arbeit ebenso von Interesse wie die Erstausgaben des ‚Rosengartens‘. Deshalb schloss sich an die Auseinandersetzung mit den Inhalten der spätmittelalterlichen Quelle eine umfangreiche Recherche nach verbliebenen Exemplaren des Lehrbuchs an. Diese begrenzte sich allerdings nur auf die deutschen Drucke, Übersetzungen wurden nicht in die Recherche und nachfolgende Analyse miteinbezogen. Eine rein statistische Erhebung der verbliebenen Exemplare war nicht das Ziel der Recherche, stattdessen sollte das Potential dieser Quellen hinsichtlich neuer Erkenntnisse zu tatsächlichen NutzerInnen dieser Bücher nicht verloren gehen. Daher lag das Augenmerk der Analyse auf der Überprüfung der Werke nach Gebrauchsspuren und Provenienzen.

Die Praxisrelevanz des Lehrbuchs konnte vor allem aufgrund eines Exemplars klar untersucht werden: Im Laufe der Recherche fand sich eine Ausgabe aus dem Jahr 1529, die in der Bayerischen Staatsbibliothek (Signatur: Res/A. obst. 104c.) aufbewahrt wird und die mit vielen handschriftlichen Marginalien aus dem 16. Jahrhundert versehen ist.15 Diese Notizen wurden ediert, ein erläuternder Sachkommentar fügt die z.T. überraschenden und neuen Erkenntnisse in den Kontext der bereits dargelegten Themen ein. Diese Notizen mit tatsächlichem Verwendungskontext stellen somit einen...

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