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Hebammen, Ärzte und ihr ‚Rosengarten‘

Ein medizinisches Handbuch und die Umbrüche in der Obstetrik des 15. und 16. Jahrhunderts

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Theresa Hitthaler-Frank

Mit dem Aufkommen der ersten deutschsprachigen Hebammenordnungen ab der Mitte des 15. Jahrhunderts kam es zu Kompetenzverschiebungen innerhalb der Geburtshilfe und zur Kontrolle von Hebammen durch Stadträte und Ärzte. Gleichzeitig erschienen die ersten gedruckten deutschsprachigen Hebammenlehrbücher, die von männlichen Autoren explizit an Frauen und Geburtshelferinnen adressiert wurden. ‚Der Swangern Frauwen vnd hebam(m)en Rosegarten‘ (1513) von Eucharius Rösslin beantwortet Fragen zur Praxistauglichkeit der Lehrbücher und zeigt die Rolle männlicher Mediziner und Praktiker innerhalb der Geburtshilfe auf. Diese Forschungsarbeit beleuchtet neben dem Hebammenwesen am Beginn seiner Professionalisierung auch den Buchdruck und seine Rolle bei der Verbreitung obstetrischen Wissens.

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2.1 Vorgeschichte: Historisches Erbe

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Die Praktik der Geburtshilfe weist eine lange Geschichte auf, erste eindeutige Nachweise dazu stammen aus dem alten Ägypten.34 Ab der griechisch-römischen Antike lässt sich die Obstetrik für die Geschichte Europas schließlich vielfach nachweisen. Epigraphische und vereinzelte schriftliche Quellen erinnern an Hebammen, die meist mit Ärztinnen gleichgestellt wurden. So beschrieb Seneca diese Frauen beispielsweise als „obstetrices, id est medicae“35 und das Grabrelief einer Hebamme aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert zeigt ihre Hilfestellung bei einer Geburt mit Gebärstuhl.36 Antike Ärzte lieferten den Grundstein für die zunehmende Auseinandersetzung und Weiterentwicklung der Geburtshilfe im frühen und hohen Mittelalter. Ganz zu Beginn steht das ‚Corpus Hippocraticum‘37, das neben der berühmten Vier-Säfte-Lehre unter anderem auch Traktate über Frauenkrankheiten, Schwangerschaft und Geburt sowie die Natur des Kindes und der Frau enthält.38 Galen baute als zweiter wichtiger antiker Arzt auf den Lehren von Hippokrates auf, schrieb einige Kommentare zu dessen Abhandlungen und soll unter anderem die Auftragsarbeit ‚De uteri dissectione‘, also ein Werk über die Anatomie der Gebärmutter, für eine Hebamme verfasst haben.39 Als dritte wichtige Figur in der Geschichte der antiken Geburtshilfe gilt Soranus von Ephesus40. Von ihm stammt das berühmte griechische Traktat ‚Gynaikeia‘, welches im 6. Jahrhundert von dem frühmittelalterlichen Arzt Muscio (auch Mustio)41 ins Lateinische (‚Gynaecia‘) übersetzt wurde und später als Vorlage für den ‚Rosengarten‘ fungierte.42 Der Philologe Friedrich Reinhold Dietz entdeckte um 1800 zwei Handschriften aus dem 15. und...

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