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Hebammen, Ärzte und ihr ‚Rosengarten‘

Ein medizinisches Handbuch und die Umbrüche in der Obstetrik des 15. und 16. Jahrhunderts

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Theresa Hitthaler-Frank

Mit dem Aufkommen der ersten deutschsprachigen Hebammenordnungen ab der Mitte des 15. Jahrhunderts kam es zu Kompetenzverschiebungen innerhalb der Geburtshilfe und zur Kontrolle von Hebammen durch Stadträte und Ärzte. Gleichzeitig erschienen die ersten gedruckten deutschsprachigen Hebammenlehrbücher, die von männlichen Autoren explizit an Frauen und Geburtshelferinnen adressiert wurden. ‚Der Swangern Frauwen vnd hebam(m)en Rosegarten‘ (1513) von Eucharius Rösslin beantwortet Fragen zur Praxistauglichkeit der Lehrbücher und zeigt die Rolle männlicher Mediziner und Praktiker innerhalb der Geburtshilfe auf. Diese Forschungsarbeit beleuchtet neben dem Hebammenwesen am Beginn seiner Professionalisierung auch den Buchdruck und seine Rolle bei der Verbreitung obstetrischen Wissens.

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5.3.1 AdressatInnen und RezipientInnen

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Bei der Ermittlung möglicher RezipientInnen des ‚Rosengartens‘ fällt als erstes die im Vergleich zur handschriftlichen Vorlage des Lehrbuchs von Rösslin geänderte Ausrichtung des Buches auf. Die Handschrift aus dem Jahr 1494 adressiert den Inhalt an den „gemeinen man“312. Die Bezeichnung befindet sich relativ am Ende der Handschrift und steht im Kontext einer Erklärung zu den lateinischen Fachbegriffen im Buch. Im Druck Rösslins schließt an diese Erklärung das Glossar mit der Auflistung besagter lateinischer Termini und den dazugehörigen deutschen Übersetzungen an. Der signifikante Unterschied zwischen Handschrift und Druck wird in folgender Gegenüberstellung ersichtlich:

Cod. med. 801

„Jtem hie jn disem cleinen buchlin do stend vil latinischer wortter vnd dorumb das man dasselb latin nit auszlegen nach zu gutem tutzsch machen vnd bringen mag das es dem gemeinen man verstentlich sie Dorumb ab die so dan disz buch-lin lesen es nit gantz verstanden sollent sie gedult haben vnd die gelerten der artznie auch die appotecker dorumb fragen die wissen jnen ein gut gnugsame auszrichtung vnd ein volkomen entscheid doruber zu geben 1494“313

Druckversion des ‚Rosengartens‘ von 1513

„Item hie in disem cleinen büchlin stand vil latynischer wo(e)rter / vnd darumb das man das selbig latyn / nit zu(o) gu(o)ttem tutsch bringe(n) mag / das es den frawen verstendig sy / Sollent sy züflucht habe(n) / zu(o) den doctores vnnd apoteckern...

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