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Italienische Literatur im Spannungsfeld von Norm und Hybridität

Übergänge – Graduierungen – Aushandlungen

Edited By Barbara Kuhn and Dietrich Scholler

Traditionell gelten die Begriffe Norm und Hybridität in der Literaturwissenschaft als Gegensatzpaar: Normen, wie sie seit der Antike und bis in die Frühe Neuzeit in Regelpoetiken festgehalten oder anderweitig definiert sind, werden im historischen Prozess mittels Hybridisierungen auf verschiedenen Ebenen aufgeweicht oder gebrochen, so dass sich die Hybridität spätestens in der Epoche der Romantik als neue Norm durchsetzt. Dagegen zeigen die hier versammelten Studien, dass sich die italienische Literatur einer solch eindeutigen Zuordnung entzieht. Es zeichnet sich ein von intrikaten Graduierungen und entsprechenden Aushandlungsprozessen geprägtes Spannungsfeld ab, das auf die grundsätzliche Übergänglichkeit der literarischen Rede weist: Sie ist stets unterwegs zu dem, was sie meint.

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Hybriditätserkundungen. Migration und letteratura impegnata in Melania G. Mazzuccos Io sono con te. Storia di Brigitte (2016): (Elisabeth Tiller (Dresden))

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Elisabeth Tiller (Dresden)

Hybriditätserkundungen. Migration undletteratura impegnata in Melania G. MazzuccosIo sono con te. Storia di Brigitte (2016)

I.

«Un pomeriggio di novembre siamo sedute l’una di fronte all’altra»,1 so der Einstieg in Melania Mazzuccos Io sono con te. Storia di Brigitte aus dem Jahre 2016 – ein narrativer Text, dessen vielfach hybrider Charakter beispielhaft die Möglichkeiten einer Literatur ansichtig macht, die sich mit politischem Anspruch mit dem Thema Migration befasst. Der hier anzitierte unbetitelte Vorspann zur Narration (der im das Buch abschließenden Inhaltsverzeichnis peritextuell unterschlagen wird) führt in eine Gesprächskonstellation ein, die sich zwischen der Titelheldin Brigitte und einer Ich-Sprecherin entfaltet, welche als alter ego der Autorin ausgebildet ist. Dieses erste referierte Gespräch findet in trister Umgebung statt, es regnet, es ist kalt und feucht, eine programmatische November-Inszenierung also, in die hinein bereits nach wenigen Zeilen eine dritte Person geschrieben wird: «il bambino – disteso sul sofà, con la giacchetta della tuta ripiegata sotto la testa a fargli da cuscino – si è assopito» (Io sono con te 3). Während die Rolle dieses Kindes für die Narration erst mit fortschreitender Lektüre deutlich werden wird, hat es an dieser Stelle erst einmal die Funktion, die asymmetrische Beziehung zwischen alter ego-Ich-Sprecherin und Brigitte (die in diesem Vorspann noch nicht mit ihrem Namen aufgerufen wird, «lei» verbleibt) zu bebildern – insofern wir erfahren, dass die alter ego-Ich-Sprecherin, anders als zum Treffen in der Vorwoche, nun Wasser und Kekse mitgebracht hat, weil...

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