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Gewaltdarstellungen in der Gegenwartsliteratur

Martin Becker

Physische Gewalt ist ein häufiges Motiv in der Literatur. Diese Publikation untersucht die wichtigsten Elemente von Gewaltdarstellungen in der Gegenwartsliteratur und ordnet sie im ersten Teil typologisch. Der zweite Teil widmet sich emotionalen Wirkungspotenzialen von Gewaltdarstellungen und untersucht, wie Gewaltdarstellungen Sympathie, Ekel, Spannung und Komik erzeugen. Der dritte Teil identifiziert an vier Beispielromanen wichtige Themen, die mit den Gewaltdarstellungen verbunden werden. Anhand von Elfriede Jelineks Die Klavierspielerin, Cormack McCarthys Blood Meridian, Bret Easton Ellis‘ American Psycho und Roberto Bolaños 2666 wird gezeigt, dass zeitgenössische Gewaltdarstellungen die Kritik von Gesellschaftsstrukturen und Kontexten von Gewalt mit Sprachreflexion verbinden.

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11 Cormac McCarthy: Blood Meridian

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„There’s no such thing as life without bloodshed“,485 sagt Cormac McCarthy über seinen Roman Blood Meridian or the evening redness in the West. Tatsächlich begegnet der Leser ständig abscheulicher Gewalt, die das zentrale Motiv des Romans bildet. Blood Meridian folgt dem namenlosen Charakter „the kid“, der als Teenager sein Elternhaus in Tennessee verlässt und nach Westen zieht. In Texas schließt er sich einer Bande von Kopfgeldjägern um General Glanton und Judge Holden an, die amerikanische Ureinwohner jagen sollen. Die Gewalt eskaliert zusehends: Die Gruppe tötet auch Mexikaner, um Skalps zu erbeuten. In Arizona wird die Gruppe schließlich zerschlagen und General Glanton getötet. The kid gelingt die Flucht und es kommt zu einem Showdown zwischen the kid und Judge Holden in der Wildnis, die sich überworfen haben. Am Ende des Romans gibt es einen Zeitsprung. The kid wird im Roman nun als „the man“ bezeichnet und zieht immer noch durch den Mittleren Westen. In Fort Griffin begegnet er Judge Holden wieder. Das Ende des Romans legt ein gewaltsames Ende von the kid durch Holden nahe, aber bemerkenswerterweise wird diese Gewalttat gerade nicht erzählt. Die Handlung endet mit dem tanzenden Holden.

Der Roman bedient sich zentraler Motive amerikanischer Westernromane und -filme und konfrontiert diese mit der brutalen Gewalt, mit der der Wilde Westen erobert wurde. Dazu greift der Roman auf real existierende Persönlichkeiten wie General Glanton und Judge Holden zurück und unterzieht die Mythen um den...

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