Show Less
Restricted access

Hans Albert und der Kritische Rationalismus

Festschrift zum 100. Geburtstag von Hans Albert

Series:

Edited By Volker Gadenne and Reinhard Neck

Am 8.2.2021 feiert Hans Albert seinen 100. Geburtstag. Hans Albert ist der wichtigste Vertreter des Kritischen Rationalismus im deutschen Sprachraum und weit darüber hinaus. Aus diesem Anlass verfassten 19 Freunde, Schüler, Kolleginnen und Kollegen Forschungsbeiträge und Übersichtsaufsätze zu Themen dieser Philosophie. Behandelt werden unter anderem Themen wie das Münchhausen-Trilemma, die Erkenntnis- und Entscheidungspraxis des Kritischen Rationalismus und Anwendungen dieser Philosophie auf Fragen von Soziologie, Volkswirtschaftslehre, Rechtswissenschaft und Geschichtswissenschaft. Die Beiträge zeigen, dass der Kritische Rationalismus eine fortschrittliche und attraktive Philosophie auch für das 21. Jahrhundert ist.
Show Summary Details
Restricted access

19. Objektive Praxis ganz ohne Brücken

Kapitel 19

Extract

Peter Monnerjahn

Eine zentrale Stelle, wenn nicht sogar die zentrale Stelle in Hans Alberts Werk nimmt die Frage ein, ob und wie die Erkenntnisse einer kritisch-rationalen Methodologie nicht nur in der Wissens- und der Wissenschaftstheorie, sondern auch in anderen Bereichen der menschlichen Praxis anwendbar sind: von Politik über Recht bis zur Ethik.

Alberts Antwort auf den ersten Teil der Frage ist ein umfassendes Ja; die Antwort auf den zweiten lautet: mit Hilfe sogenannter Brücken-Prinzipien. Diese Brücken-Prinzipien haben die Aufgabe, eine konstruktive, rationale, wissenschaftliche Kritik auch an Fragen zu ermöglichen, die über rein kognitive Problemstellungen hinausgehen, also im weitesten Sinne normativen Charakter haben. Albert sieht seine Antwort (zu Recht) als eine konsequente Weiterführung Popperscher Philosophie.

Diese Philosophie aber ist (zumindest oberflächlich betrachtet) nicht ganz konsistent, was ihre Anwendung auf Probleme des sozialen Lebens angeht. Um die Inkonsistenzen aufzulösen, ist es nötig, sowohl Poppers Wahrheits- als auch seinen Objektivitätsbegriff zu reparieren. Nach diesen Reparaturen ergibt sich ein etwas verändertes, aber konsistenteres Bild des kritischen Rationalismus, das den Schluss nahelegt, dass Brücken-Prinzipien begrifflich und konzeptuell irreführen und tatsächlich nirgends benötigt werden, um Alberts wichtigstes Ziel zu erreichen: jeden Versuch zurückzuweisen, irgendwelche menschlichen Problemlösungen gegen rationale Kritik abzuschirmen.

Alberts Zielsetzung ist auf den ersten Blick deckungsgleich mit dem, was Popper als eines der Ziele seiner Open Society beschreibt: „the application of the critical and rational methods of science to the problems...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.