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Peer-Gespräche in der Schule

Beobachtungen zum mündlichen Sprachgebrauch im Spannungsfeld zwischen Institution und Identitätsentwicklung im Jugendalter

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Benjamin Könning

Peer-Gesprächen in der Schule wird von Erwachsenen gemeinhin wenig Beachtung geschenkt. Was aus Perspektive mancher Erwachsener wie belangloser Small-Talk unter Jugendlichen erscheint, erweist sich aus Sicht der Gesprächsforschung als hoch funktional im Schulalltag. Der Band präsentiert analytische Einblicke in Gesprächsaufnahmen von Schülerinnen und Schülern im Schulalltag verschiedener Schulformen und Altersstufen. Das Buch liefert neue Erkenntnisse über das Gesprächsverhalten, Positionierungsaktivitäten, Themenfelder sowie jugend- und institutionstypische Ausdrucksweisen der untersuchten Gespräche.

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5. Gesprächsverhalten

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Die dokumentierten Peer-Gespräche in der Schule weisen eine variable Sprecheranzahl, prinzipiell gleichrangige Sprecher, die ebenfalls Teil der Peer-Gruppe sind, sowie eine sehr assoziative Gesprächsführung auf, die von schnellen Sprecherwechseln und hoher Dynamik und Impulsivität gekennzeichnet ist. Diese Bedingungen erschweren die Analysen im Vergleich zu „wohlgeordneteren“ Gesprächsereignissen, denen sich die Gesprächsforschung meist zuwendet. Gespräche in Schulpausen unterliegen keinerlei institutionellen Vorgaben, obschon sie prinzipiell der Beaufsichtigung von Lehrkräften unterliegen.

Folgendes Kapitel vermittelt einen Einblick in gesprächsstrukturelle Aspekte im Korpus. Zunächst soll hierbei allgemein auf die Herstellung von Organisation und Verständlichkeit in den z.T. unübersichtlich ablaufenden Gesprächen eingegangen werden (Kap. 5.1). Besonderer Fokus liegt hierbei auf den Aspekten: Emotionalität (Kap. 5.2), facework und Höflichkeit (Kap. 5.1.2) und Spiegelungen nonverbaler Praktiken (Kap. 5.4), die durch das institutionelle Setting geprägt sind. Kommunikative Muster und Routinen bilden für die Gesprächsteilnehmer einen Orientierungsrahmen, nach dem sie sich bei der Produktion und Rezeption von Äußerungen und Äußerungseinheiten im Gespräch richten. Diese können ernsthaft und themenfokussiert (Kap. 5.5) oder scherzhaft und angebotsfokussiert (Kap. 5.6) ablaufen.

Peerkommunikation bedingt eine spezifische Gesprächsorganisation und ein spezifisches Gesprächsverhalten. Den Sprechern gelingt es, trotz der z.T. durch Impulsivität und hohen Lärmpegel geprägten Rahmenbedingungen ihre Gesprächsbeiträge (auch: turns; vgl. Sacks / Schegloff / Jefferson 1974) zu platzieren und kohärente Gesprächsverläufe aufrecht zu erhalten. Lokale Kohärenz wird in den...

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