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Späte Schriften zur Literatur. Teil 1: Zur Literatur der Moderne und zur Literaturgeschichte

Herausgegeben von Hans-Edwin Friedrich

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Helmut Heißenbüttel

Edited By Hans-Edwin Friedrich

Mit der dreibändigen Jubiläumsedition zum 100. Geburtstag liegen erstmals Helmut Heißenbüttels späte Schriften zur Literatur in gesammelter Form vor. Sie enthält bislang nur verstreut veröffentlichte Texte und zeichnet wesentliche Entwicklungslinien des essayistischen Werks nach.

Im ersten Teil sind Aufsätze zur Literaturgeschichte und zur Moderne zusammengestellt. Er dokumentiert eine fortlaufende Beschäftigung mit einem historischen Bruch, der den Ausgangspunkt für Heißenbüttels eigenes Werk darstellt. Zugleich zeigt er wesentliche Verschiebungen in der Bewertung des Fortschrittsgedankens sowie bislang weniger bekannte Schwerpunktsetzungen in der Beschäftigung mit Kurt Schwitters sowie Autoren der konservativen Moderne auf. Er versammelt Schriften u.a. zu Carl Einstein, Arnold Schönberg, Rudolf Borchardt und Max Kommerell. Erstmals sind auch alle Beiträge zu Ernst Jünger aufgenommen.

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Expressionismus

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Vergleiche ich August Stramm mit seinen unmittelbaren Zeitgenossen, Hugo von Hofmannsthal zum Beispiel oder Karl Kraus, so fällt auf, welche Radikalität des Neuen seine Gedichte und, mit Abstand, auch seine Dramen bestimmen. Hier macht sich jemand frei von allen Wurzeln oder Verflechtungen in Tradition oder Ableitung.

Wo zum Beispiel Hofmannsthal seine Radikalität gewinnt aus der Verbindung zur Tradition, etwa im Schwierigen oder im Turm, wo seine Mittel wie seine Inhalte sich direkt aus dem Überlieferten ergeben und zugleich dagegen wenden, macht Stramm seine „Gedichte“, und man fühlt sich gezwungen, diesen Begriff in Anführungsstriche zu setzen, aus unmittelbarem Kontakt mit der nervlichen Realität.

Patrouille

Die Steine feinden

Fenster grinst Verrat

Äste würgen

Berge Sträucher blättern raschlig

Gellen

Tod.

Die Radikalität Stramms besteht darin, daß er unmittelbar sprachlich zu fassen sucht, was sich dem überlieferten Sprachgebrauch entzieht. Das geschieht vor allem durch zwei Mittel: Die Substantivierung von Verben und die Verbalisierung von Substantiven, also Fehler, die man, der „normalen“ Rhetorik entsprechend, nicht machen darf. Dazu kommen verschiedene Abkürzungsverfahren, das Weglassen des direkten Artikels, unmittelbare Zusammenstellung von syntaktisch nicht zusammengehörenden Wörtern, Auslassen erklärender Zwischensätze. Dies alles sind Mittel, die zum Beispiel Hofmannsthal oder Kraus nicht verwenden, oder wenn sie sie gebrauchen, dann nur in einem äußersten, immer begründbaren Fall. Daß Stramm seine stilistischen Eigenheiten niemals begründet, ist...

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