Show Less
Restricted access

Das Spiel mit der Liebe: Liebesentwürfe in der Gegenwartsliteratur im Lichte spieltheoretischer Konzepte

Series:

Nienhaus Kristina

Das Verständnis von Liebe und Partnerschaft hat sich unter den Bedingungen der Spätmoderne verändert: Durch Digitalisierung, Globalisierung und die gesellschaftliche Akzeptanz von alternativen Lebensmodellen erscheint der Möglichkeitsraum der Liebe unendlich ausgedehnt. Auf diese Veränderung reagiert auch die Literatur. Der vorliegende Band verbindet spieltheoretische Ansätze (von Kant bis Baudrillard) mit (post-)modernen Liebeskonzeptionen (vor allem von Niklas Luhmann, Roland Barthes und Eva Illouz), um einen Blick auf die Auseinandersetzung mit den Geschlechterbeziehungen in der Gegenwartsliteratur zu werfen. Er geht der These nach, dass die Liebe unter den Bedingungen der Spätmoderne ein Phänomen ist, das sich mit Schlüsselkategorien der Spieltheorie adäquat erfassen lässt.

Show Summary Details
Restricted access

3. Wie sich die Liebe heute darstellt

Extract

‚Immer nur verliebt sein‘, lautete vor einiger Zeit der Werbeslogan einer Partnerbörse im Internet.383 Besser könnte man die Digitalisierung der Partnersuche und die damit einhergehenden unbegrenzt erscheinenden Wahl- und Wechselmöglichkeiten kaum zusammenfassen. Der natürliche Feind des Hochgefühls des Verliebtseins ist die Dauer. Egal wie lange ein Paar sich die Schmetterlinge im Bauch bewahren kann, früher oder später fliegen sie davon. Auch die leidenschaftlichste Beziehung kämpft im tristen Alltagstrott irgendwann um ihr Überleben. Und wie verlockend klingt dann die Verheißung, den hormonellen Verliebtheits-Rausch384 dauerhaft immer und immer wieder zu durchleben. Es gilt hier auszublenden, dass vor dem sich frisch Verlieben meist das schmerzhafte Ende der vorherigen Beziehung durchlebt werden muss. Geht es nach den Geschäftsleuten hinter den Dating-Plattformen, muss das aber offenbar nicht sein. Die Formulierung des immer nur Verliebtseins impliziert, dass es sich bei den Kontakten um oberflächliche Liebeleien, anstatt um potenzielle Partnerschaften mit tiefgehenden Gefühlen handelt. Die Partnerbörse scheint auf schnelllebige, austauschbare Kontakte ausgelegt zu sein. Es ist den Verantwortlichen auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht ein Anliegen, ihre Klienten möglichst bald wieder begrüßen zu dürfen. Neues Spiel, neues Glück, lautet die Redensart und so erscheint es auch den Nutzern der Partnerbörse möglich, immerwährend neu anzufangen. Schon Roland Barthes beteuerte, eine sich ins Unglück verkehrte Liebe sei am besten mit neuer Liebe zu überwinden. Ein Ausweg sei zu schaffen, indem

ich unter Verzicht auf diese Liebe erneut ins...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.