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Der Kölner Lischka-Prozess

NS-Verbrechen und Erinnerungskultur in der Bundesrepublik Deutschland und in Frankreich

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Theresa Angenlahr

Im Lischka-Prozess standen von Oktober 1979 bis Februar 1980 drei Mitverantwortliche für die Deportation der jüdischen Bevölkerung Frankreichs während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg vor dem Kölner Landgericht. Die kurze Verhandlungsdauer sowie die Verurteilung der Angeklagten Kurt Lischka, Herbert Hagen und Ernst Heinrichsohn zu mehrjährigen Haftstrafen heben den Prozess von den meisten anderen westdeutschen NS-Strafverfahren ab. Die Studie untersucht den Einfluss der Strafverfolgung auf die öffentliche Debatte um die Shoah in der Bundesrepublik Deutschland und in Frankreich. Mithilfe des Ansatzes der Histoire croisée analysiert sie, wie die erinnerungskulturelle Auseinandersetzung um den Lischka-Prozess in beiden Ländern geführt und wechselseitig rezipiert wurde.

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I. Teil

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Am 10. Mai 1940 gab Adolf Hitler den Befehl zum Westfeldzug, im Zuge dessen die deutsche Wehrmacht unter Missachtung der Neutralität Belgiens, der Niederlande und Luxemburgs in Frankreich einmarschierte. Am 14. Juni 1940 erreichten deutsche Soldaten Paris. Die Unterzeichnung des deutsch-französischen Waffenstillstandsabkommens bei Compiègne am 22. Juni 1940 beendete die sechs Wochen dauernden Kampfhandlungen zwischen beiden Ländern und besiegelte die militärische Niederlage Frankreichs. Durch das Abkommen wurde Frankreich viergeteilt: Eine 1000 km lange Demarkationslinie, die nördlich der Loire und entlang der Atlantikküste verlief, spaltete das Land in eine von den Deutschen besetzte Zone im Norden (zone occupée) und eine zunächst unbesetzte Zone im Süden, die vom Kurort Vichy aus regiert wurde (zone non occupée oder auch zone libre).66 Am 10. Juli 1940 beschloss die Assemblée nationale, das französische Parlament, eine Verfassungsänderung, auf deren Grundlage der autoritär regierte État français entstand, der die Dritte Republik ablöste. Staatschef wurde der Weltkriegsveteran Marschall Philippe Pétain.67 Von Juli bis Dezember 1940 und dann erneut ab April 1942 war Pierre Laval, Anfang der 1930er Jahre Ministerpräsident und Außenminister der Dritten Republik, stellvertretender Ministerpräsident des Vichy-Regimes; er nahm sowohl in der Kollaboration mit den deutschen Besatzern als auch bei den antijüdischen Maßnahmen des Vichy-Regimes eine Schlüsselposition ein.68 Die faktische „Selbstentmachtung“ der Assemblée war keineswegs eine zwangsläufige Konsequenz der militärischen Niederlage, sondern wurde von den französischen Parlamentariern selbst...

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