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Der Kölner Lischka-Prozess

NS-Verbrechen und Erinnerungskultur in der Bundesrepublik Deutschland und in Frankreich

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Theresa Angenlahr

Im Lischka-Prozess standen von Oktober 1979 bis Februar 1980 drei Mitverantwortliche für die Deportation der jüdischen Bevölkerung Frankreichs während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg vor dem Kölner Landgericht. Die kurze Verhandlungsdauer sowie die Verurteilung der Angeklagten Kurt Lischka, Herbert Hagen und Ernst Heinrichsohn zu mehrjährigen Haftstrafen heben den Prozess von den meisten anderen westdeutschen NS-Strafverfahren ab. Die Studie untersucht den Einfluss der Strafverfolgung auf die öffentliche Debatte um die Shoah in der Bundesrepublik Deutschland und in Frankreich. Mithilfe des Ansatzes der Histoire croisée analysiert sie, wie die erinnerungskulturelle Auseinandersetzung um den Lischka-Prozess in beiden Ländern geführt und wechselseitig rezipiert wurde.

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III. Teil

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Corine Defrance zufolge waren es vor allem Angehörige von Deportierten, die in der Bundesrepublik und in Frankreich dafür sorgten, dass die NS-Vergangenheit von Medien und Justiz aufgegriffen wurde und sukzessive Eingang in die Erinnerungskultur fand.464 In Bezug auf den Lischka-Prozess machte vor allem das deutsch-französische Ehepaar Beate und Serge Klarsfeld die westdeutsche und französische Öffentlichkeit darauf aufmerksam, dass viele NS-Verbrecher nach wie vor straffrei in der Bundesrepublik und anderswo lebten. Wie bereits aufgezeigt war Serge Klarsfeld im Diskurs um den Lischka-Prozess durch seine Anwesenheit im Gerichtssaal sehr präsent; er vertrat dort 250 jüdische Franzosen, die im Prozess als Nebenkläger auftraten.465 In der Öffentlichkeit wurde er vor allem in dieser Funktion als juristischer Akteur im Gerichtssaal wahrgenommen, während Beate Klarsfeld als prominente Aktivistin der FFDJF rezipiert wurde.

Serge Klarsfeld war 1935 als Kind jüdischer Rumänen in Bukarest geboren worden und im Alter von einem Jahr mit seiner Familie nach Frankreich gekommen. Sein Vater wurde im September 1943 von der Gestapo verhaftet und über Drancy nach Auschwitz-Birkenau deportiert, wo er im Sommer 1944 starb. Im Mai 1960 traf Serge Klarsfeld die 1939 in Berlin geborene Deutsche Beate Künzel, die in Paris als Au-Pair und später im Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) als Fremdsprachenkorrespondentin arbeitete. Im November 1963 heirateten die beiden. Nach seinem Studium der Geschichtswissenschaft und der internationalen Beziehungen begann Serge Klarsfeld, die Geschichte seines Vaters während der Shoah zu erforschen. Ab Ende der 1960er Jahre betrieb das...

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