Show Less

Interdisziplinäres Kolloquium zur Geschlechterforschung

Die Beiträge- Interdisziplinäre Dispute um Methoden der Geschlechterforschung

Series:

Edited By Ilse Nagelschmidt, Kristin Wojke and Britta Borrego

«Nun meine ich, dass es überhaupt nicht selbstverständlich ist, das Geschlechterverhältnis und damit auch die ‘Konstruktion von Geschlecht’ auf Identitätsfestschreibungen zurückzuführen. Oder nochmals anders ausgedrückt: Es ist überhaupt nicht selbstverständlich, die Entstehung von Ungleichheit auf Prozesse der Vereigenschaftlichung resp. Verkörperung zurückzuführen, die Konstruktion von Geschlecht als Zuschreibung, ja, Geschlecht überhaupt als Identität zu denken. Ich möchte deshalb im Folgenden der Frage nachgehen, ob die allzu selbstverständliche Annahme, dass Geschlechtersegregation primär mit geschlechterstereotypisierenden Zuschreibungen erklärt werden kann, heute so noch stimmt. Meines Erachtens folgt diese Annahme, an der sich zunehmend die gesamte Geschlechterpolitik orientiert, jener kulturalistischen Verkürzung des Gender-Begriffs, der sich im Zuge des Cultural turns gegenwärtig in den Gender Studies des gesamten deutschsprachigen Raums etabliert.» Tove Soiland (in diesem Band)
In diesem zweiten Band der Leipziger Gender-Kritik-Reihe führt die Diskussion über die Konstruiertheit der Geschlechter interdisziplinäre Beiträge um theoretisch-methodische Fragen und pragmatische Zugänge der aktuellen Geschlechterforschung zusammen. Hier werden Referate aus Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaft versammelt, die am Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Leipzig (FraGes) anlässlich der jährlichen Kolloquien von 2007 bis 2009 gehalten wurden.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Simone de Beauvoirs Egalitarismus. Grundlegung einer kritischen Geschlechterforschung

Extract

Kristin Wojke Einleitung Bekanntlich ist de Beauvoir die populärste Vertreterin des Existentialismus. Sie wäre am achten Januar 2008 100 Jahre alt geworden. Ihre Überlegungen zum Geschlechterverhältnis sind aktueller denn je und gewinnen zunehmend an Aufmerksamkeit. Denn mit ihrer Idee der Konstitution des anderen Geschlechts liefert sie die Grundlagen einer kritischen Geschlechterforschung. Auf der Basis ihres Verständnisses einer existentialistischen Ethik entwickelt de Beauvoir eine Argumentation, welche sichtbar macht, inwiefern eine Ungleichheit von Mann und Frau entstehen und bestehen konnte, und zugleich eine Möglichkeit enthält, diese Differenz aufzuheben. Sie vertritt eine egalitaristische Geschlechterauf- fassung, die untrennbar ist vom existentialistischen Grundgedanken des freien Entwurfs eines Subjekts. Kritiker und Kritikerinnen haben darin den Versuch gelesen, offenkundige Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu verwischen. Demnach würden von de Beauvoir die Geschlechter gleich gemacht, Frauen würden ihre Weiblichkeit verlieren oder aufgeben, wenn und indem sie sich männlichen Standards anpassten. Andererseits erregt de Beauvoirs Ge- schlechtertheorie zunehmend das Interesse seitens der konstruktivistischen Fraktion. Ihre berühmte Einsicht, dass ein Mensch nicht als Frau geboren sei, sondern zu ihr gemacht werde, wird in konstruktivistischen Ansätzen fort- geschrieben und erweitert. Im Folgenden geht es darum, wie de Beauvoir das Verhältnis der Geschlech- ter beschreibt. Mit ihrem Begriff des anderen Geschlechts rekonstruiert sie die Logik des Ausschlusses, mit der dann später u.a. durch Judith Butler in Gender Trouble ein Paradigmenwechsel in der Geschlechterforschung angestoßen wur- de. Dafür werden zunächst die existentialistischen Grundlagen ihrer Geschlech- terauffassung skizziert,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.