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Interdisziplinäres Kolloquium zur Geschlechterforschung

Die Beiträge- Interdisziplinäre Dispute um Methoden der Geschlechterforschung

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Edited By Ilse Nagelschmidt, Kristin Wojke and Britta Borrego

«Nun meine ich, dass es überhaupt nicht selbstverständlich ist, das Geschlechterverhältnis und damit auch die ‘Konstruktion von Geschlecht’ auf Identitätsfestschreibungen zurückzuführen. Oder nochmals anders ausgedrückt: Es ist überhaupt nicht selbstverständlich, die Entstehung von Ungleichheit auf Prozesse der Vereigenschaftlichung resp. Verkörperung zurückzuführen, die Konstruktion von Geschlecht als Zuschreibung, ja, Geschlecht überhaupt als Identität zu denken. Ich möchte deshalb im Folgenden der Frage nachgehen, ob die allzu selbstverständliche Annahme, dass Geschlechtersegregation primär mit geschlechterstereotypisierenden Zuschreibungen erklärt werden kann, heute so noch stimmt. Meines Erachtens folgt diese Annahme, an der sich zunehmend die gesamte Geschlechterpolitik orientiert, jener kulturalistischen Verkürzung des Gender-Begriffs, der sich im Zuge des Cultural turns gegenwärtig in den Gender Studies des gesamten deutschsprachigen Raums etabliert.» Tove Soiland (in diesem Band)
In diesem zweiten Band der Leipziger Gender-Kritik-Reihe führt die Diskussion über die Konstruiertheit der Geschlechter interdisziplinäre Beiträge um theoretisch-methodische Fragen und pragmatische Zugänge der aktuellen Geschlechterforschung zusammen. Hier werden Referate aus Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaft versammelt, die am Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Leipzig (FraGes) anlässlich der jährlichen Kolloquien von 2007 bis 2009 gehalten wurden.

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Konstruktivismus und Dekonstruktion – und deren Bedeutung für emanzipative Biologie-Kritik aus Geschlechterperspektive

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Heinz-Jürgen Voß Einführung An der Emanzipation von Frauen Interessierte haben über hunderte von Jahren dafür gestritten, die bedrückte Situation von Frauen in der „westlichen Welt“ – Europa, später auch Nordamerika; nur sie werden in diesem Aufsatz betrachtet – zu überwinden. Verbunden sind mit diesem Streiten Namen wie die von Christi- ne de Pizan (ca. 1365-1430), Henricus Cornelius Agrippa von Nettesheim (1488-1535), Moderata Fonte (bzw. Modesta Pozzo d'i Zorzi, 1555-1592), Ma- rie le Jars de Gournay (1565-1645), Lucretia Marinella (1571-1653), María de Zayas y Sotomayor (vermutlich 1590-1661/1669), Anna Maria van Schurman (1607-1678), Francois Poullain de La Barre (1647-1723), Mary Astell (1666- 1731), Dorothea Christiane Leporin (verh. Erxleben) (1715-1762), Olympe de Gouges (1748-1793), Mary Wollstonecraft (1759-1797) – um nur einige ältere explizit zu benennen.78 Ihre Argumente richteten sich gegen die gesellschaft- liche Ordnung, die Frauen von Bildung und von vielen gesellschaftlichen Be- tätigungen ausschloss; sie richteten sich gegen die vermeintliche Unfähigkeit von Frauen zu Bildung. Einige wandten sich auch dagegen, dass die Gesell- schaft den Frauen Bildungsfähigkeit und körperliche Stärke weitgehend ab- sprach, diese Eigenschaften für den europäischen Mann der oberen Schichten hingegen nicht anzweifelte. Waren sich die oben angeführten Streitenden in dem Punkt einig, dass Mäd- chen und Jungen, Frauen und Männer Bildung erhalten sollten und diesbezügli- che geschlechtliche Differenzen Resultat gesellschaftlicher Einschränkungen der Möglichkeiten von Frauen waren, so gingen sie bei anderen „Gleichheitsforde- rungen“ verschieden weit. Einige von ihnen beschränkten die Unterschiede zwi-...

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