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Politik und Religionskultur in Hessen und Nassau zwischen ‘Staatsumbruch’ (1918) und ‘nationaler Revolution’ (1933)

Ursachen und Folgen

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Karl Dienst

Auch Erlebnis- und Kampfbilder beeinflussen Beschreibung und Deutung der ‘Kirchlichen Zeitgeschichte’. Von einer theologienahen, selbstrechtfertigenden Erforschung des ‘Kirchenkampfes’ hin zu einer historisch-kritischen Rekonstruktion des protestantischen Milieus: Dieses heute vor allem von Allgemeingeschichtlern vertretene Forschungsziel eröffnet neue Wege zur Wahrnehmung und Interpretation einer vor allem für den Protestantismus schwierigen Zeit. Es enthält aber auch die Erkennen und Verstehen beeinträchtigenden Vorannahmen und Defizite, die hier – auch unter Einbeziehung der christlichen Studentenverbindung ‘Wingolf’ – durch eine Untersuchung des sich bis in die Gegenwart auswirkenden Verhältnisses von Politik und Religionskultur in Hessen und Nassau bearbeitet werden.

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Zur 'protestantischen' Religionskultur zwischen 1918 und 1933 245

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245 Zur 'protestantischen' Religionskultur zwischen 1918 und 1933 Zwischen 'Staatsumbruch' (1918) und 'Nationaler Revolution' (1933) fand auch eine 'Revolution' in der protestantischen Theologie statt. 'Heute sehen wir Eure Welt zugrunde gehen'! Und: 'Wir gehörten nie zu der Zeit, die heute zu Ende geht!' – so verkündete es Friedrich Gogarten 1920 fanfarenhaft in seinem theologischen Mani- fest 'Zwischen den Zeiten'. Auch in der protestantischen Theologie war die Revolu- tion angesagt und eine Generalrevision des Gottesverständnisses gefordert. 'Gott ist Gott!': Der absolute Gegensatz zwischen Gott und Mensch avancierte bei diesen 'Dialektischen Theologen' zum theologischen Credo schlechthin. Die Wirklichkeit Gottes, des souveränen Herrn über Welt und Geschichte, Zeit und Ewigkeit sei durch den Kulturprotestantismus zu einer Dimension im 'Innenraum der menschli- chen Seele', zu einer 'Provinz im Gemüt', zu einem 'religiösen Apriori' herunterin- terpretiert worden und verkommen: So lautete der Vorwurf der Krisentheologen an die neuprotestantische Theologie von Schleiermacher bis Harnack und Troeltsch. 'Wir aber gehörten nie zu der Zeit, die heute zu Ende geht': Hier trügt allerdings Gogartens Erinnerung! Sein Lehrer war der Liberale Ernst Troeltsch. Die Lehrer Karl Barths waren die Liberalen Wilhelm Herrmann und Martin Rade, "auch sie Schlüsselgestalten und Meister jener Synthesen von Humanum und Christianum, Gottesglauben und Kultur, Theologie und Anthropologie, denen nun das Verdikt der jungen Revolutionäre im Umkreis der Theologie der Krisis galt. Martin Rade besaß die Größe oder zumindest die Gelassenheit, Gogartens Brandsatz 'Zwischen den Zeiten' in sein Hausorgan 'Die christliche Welt' einzur...

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