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Ratingagenturen in der Krise

Über die Einführung von Qualitätsstandards für Ratings durch die Europäische Union

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Patrick Andrieu

Niemals zuvor war die Kritik an den Ratingagenturen größer als in jüngerer Vergangenheit. Durch spektakuläre Fehlbewertungen im Bereich der strukturierten Finanzmarktprodukte tragen die Agenturen einen erheblichen Anteil an der Krise an den internationalen Finanzmärkten. Als Reaktion auf die mangelnde Qualität der von den Agenturen vergebenen Ratings wurden Rufe nach einer Regulierung immer lauter. Eine aufsichtsbehördliche Regulierung schien daher unausweichlich, so dass die Europäische Union 2009 eine Verordnung über Ratingagenturen als Antwort auf all die aufgeworfene Kritik verabschiedete. Die Arbeit setzt sich mit den von der EU verabschiedeten Maßnahmen auseinander und geht zudem der Frage nach, ob diese in der Lage sind, den Qualitätsstandard von Ratings zu sichern und somit das Vertrauen in die Agenturen wieder herzustellen.

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2 Ratings und Ratingagenturen 21

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21 2 Ratings und Ratingagenturen 2.1 Ratings 2.1.1 Begriffsbestimmung „Rating ist ein Bonitätsurteil in Bezug auf ein Unternehmen, einen Schuldtitel oder eine finanzielle Verbindlichkeit, eine Schuldverschreibung, eine Vorzugsaktie oder ein anderes Finanzinstrument oder den Emittenten derartiger Schuldtitel, Verbindlichkeiten, Schuldverschreibungen, Vorzugs- aktien oder anderer Finanzinstrumente, das anhand eines festgelegten und definierten Einstufungsverfahrens für Ratingkategorien abgegeben wird.“ (Art 3 Abs 1 lit a RatingVO) Die verwendete Definition der RatingVO zeichnet bereits ein erstes Bild der Materie. Es erscheint jedoch zweckmäßig einen einführenden Über- blick zu geben und einige elementare Abgrenzungen vorzunehmen. Generell wird unter einem Rating ein Verfahren zur Einschätzung oder Beurteilung von Personen, Gegenständen oder Situationen, unter Zuhilfe- nahme von Skalen verstanden.35 Das Rating stellt ein numerisches Qualitäts- urteil dar, dass wie Noten in Klassen zusammengefasst wird und dessen Messung auf einer ordinalen Skala erfolgt.36 Der Bedeutungsinhalt umfasst sowohl das Verfahren zur Einordnung in eine zuvor determinierte Skala als auch das Urteil dieses Prozesses, das durch ein Symbol ausgedrückt wird.37 Das Rating, als Bonitätsurteil eines Unternehmens, einen Schuldtitels oder einer finanziellen Verbindlichkeit, einer Schuldverschreibung, einer Vorzugsaktie und eines Finanzinstruments oder den Emittenten derartiger Schuldtitel, Verbindlichkeiten oder Finanzinstrumente, gibt die Wahrschein- lichkeit von Zahlungsstörungen bzw Ausfällen (probability of default) sowie, im Falle der Bewertung langfristiger Schuldverschreibungen38, die erwartete Schwere des Ausfalls (expected loss) wieder.39 35 Oellinger, Die Haftung für Ratings – Eine Betrachtung nach österreichischem und deutschem Recht (2005) 55. 36 Wagner, Rating mittelständischer Unternehmen – Fundierung und Konzeption einer standardisierten...

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