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Geschichte und Funktion von Abbildungen in lateinischen Lehrbüchern

Ein Beitrag zur Geschichte des textbezogenen Bildes

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Karl-Heinz von Rothenburg

Im Jahr 1897 wurde der Autor eines bebilderten lateinischen Übungsbuchs von seinen Kollegen mit Hohn und Spott überzogen. Heutzutage wäre ein lateinisches Lehrbuch ohne zahlreiche Abbildungen auf dem Schulbuchmarkt chancenlos. Die Arbeit geht den Gründen für diesen erstaunlichen Wandel nach. Ergebnis: Der deutsche Neuhumanismus hatte über die altsprachlichen Lehrbücher der humanistischen Gymnasien ein striktes Bilderverbot verhängt. Als seit dem Ersten Weltkrieg diesem Verbot zum Trotz Abbildungen in die Lateinbücher eindrangen, wurden nur Reproduktionen antiker Originale geduldet. Diese sind aber zur Veranschaulichung lateinischer Lehrbuchtexte völlig ungeeignet. Unter diesem Dilemma leidet die Konzeption lateinischer Schulbücher in Deutschland bis heute.

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0 Einleitung 11

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11 0 Einleitung 0.1 Das Thema Wenn heute ein etwa zehnjähriger Schüler sein lateinisches Lehrbuch auf- schlägt, ist es für ihn selbstverständlich, dass er darin zahlreiche farbige Illustra- tionen findet. Sein Blick fällt auf bunte Abbildungen, von denen manche von einem Zeichner eigens für sein Buch angefertigt wurden. Bei den meisten han- delt es sich aber um fotografische Reproduktionen von Schauplätzen, Monu- menten, Kunstgegenständen und Realien aus der gesamten abendländischen Kunst- und Kulturgeschichte, die zuweilen von so bestechender Qualität sind, dass sie jedem Kunstband zur Zierde gereichen würden. Vermutlich kann sich dieser Schüler kaum vorstellen, dass die Lateinbücher seiner Urgroßeltern reine Textausgaben waren und dass es Zeiten gab, in denen erbitterte Diskussionen darüber geführt wurden, ob ein Lateinbuch Abbildungen enthalten durfte oder nicht. Dass lateinische Lehrbücher ursprünglich ohne Abbildungen konzipiert waren, lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen. Das in der Antike und im Mittelalter benutzte lateinische Unterrichtsmaterial war unterschiedlich aufberei- tet. Grammatiken konnten z.B. versifiziert, Lesetexte mit Kommentaren verse- hen sein. In einem Punkt waren aber alle Ausgaben gleich: sie waren unbebil- dert. Im folgenden soll die Entwicklung der lateinischen Lehrbücher von be- wusst bildfrei gehaltenen Grammatik- und Textausgaben zu reich illustrierten Übungsbüchern von heute dokumentiert und kommentiert werden.

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