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Geschichte und Funktion von Abbildungen in lateinischen Lehrbüchern

Ein Beitrag zur Geschichte des textbezogenen Bildes

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Karl-Heinz von Rothenburg

Im Jahr 1897 wurde der Autor eines bebilderten lateinischen Übungsbuchs von seinen Kollegen mit Hohn und Spott überzogen. Heutzutage wäre ein lateinisches Lehrbuch ohne zahlreiche Abbildungen auf dem Schulbuchmarkt chancenlos. Die Arbeit geht den Gründen für diesen erstaunlichen Wandel nach. Ergebnis: Der deutsche Neuhumanismus hatte über die altsprachlichen Lehrbücher der humanistischen Gymnasien ein striktes Bilderverbot verhängt. Als seit dem Ersten Weltkrieg diesem Verbot zum Trotz Abbildungen in die Lateinbücher eindrangen, wurden nur Reproduktionen antiker Originale geduldet. Diese sind aber zur Veranschaulichung lateinischer Lehrbuchtexte völlig ungeeignet. Unter diesem Dilemma leidet die Konzeption lateinischer Schulbücher in Deutschland bis heute.

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2 Mittelalter 23

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23 2 Mittelalter 2.1 Bedeutung des Bildes im Mittelalter Dass das Mittelalter von Beginn an ausgesprochen bilderfreudig war, hing mit dem Ende des Imperium Romanum und seinen Auswirkungen auf die allgemei- ne Bildung zusammen. Der Untergang des weströmischen Reiches im 5. Jh. hat- te auf dem europäischen Kontinent das Ende der antiken Bildung und des römi- schen Schulsystems besiegelt. Nur in der Kirche, die den Ansturm der Germa- nenvölker überlebt hatte, gab es so etwas wie schulische Ausbildung. Da die Kirche aber den als heidnisch empfundenen Bildungsinhalten der Antike ableh- nend bis feindselig gegenüberstand, übernahm sie nicht die Funktion der spätan- tiken Grammatikschulen. In den Klöstern und Bischofskirchen wurden lediglich die Novizen und pueri oblati für ihre spätere geistliche Tätigkeit in Lesen, Schreiben und Latein ausgebildet.1 Die Grammatik und ihr Regelwerk standen nicht hoch im Kurs.2 Es steht nicht einmal fest, ob die spätantiken Grammatiken des Donat und Priscian im kirchlichen Unterricht benutzt wurden, auch wenn gelegentlich belegt ist, dass sie in einer Klosterbibliothek vorhanden waren.3 Das wirkte sich auf die Fähigkeit des kirchlichen Personals, ein korrektes Latein zu gebrauchen, verheerend aus.4 Noch schlimmer war es um den außerkirchli- chen Bereich bestellt. Da die Kirche fast ausschließlich ihren eigenen Nach- wuchs ausbildete, blieb die Mehrheit der Bevölkerung einschließlich des Adels völlig ungebildet mit der Folge, dass im frühen Mittelalter fast nur Mönche und 1 „Im 6. Jahrhundert gibt es keinen anderen...

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