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Ein neues Zuhause?

Eine ethnographische Studie in einem Altenpflegeheim

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Wolfgang Hahn

Kann ein Altenpflegeheim ein neues Zuhause werden? Dieser Frage geht diese Mikrostudie, eine empirische Ethnographie der eigenen Kultur, über mehrere Jahre nach. Gegensätzliche Kriterien, die kaum miteinander vereinbar sind, treffen zusammen: Der caritative Gedanke, den alten Menschen zu helfen und die Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte durch die Ökonomisierung des Hilfs- und Pflegemarktes. Der Autor fungiert in einer Doppelrolle. Er ist als Sozialarbeiter vor Ort tätig und betreut die alten Menschen in sozialen und kulturellen Fragen. Als Ethnologe beschreibt er das Leben im Heim aus der Sicht der Personen, die dort wohnen und arbeiten. Neben diesem Blickwinkel reflektiert er sein persönliches Handeln und betrachtet zusätzlich das Geschehen im Haus aus einer distanzierten Forscherperspektive.

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II Rahmenbedingungen 37

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37 II Rahmenbedingungen 1 Altenpflegeheim im historischen, gesellschaftlichen und juristischen Kontext Bis in das 20. Jahrhundert hinein war eine vielfältige und breite Altenhilfe nicht denkbar, wie sie jetzt in unserer Zeit, angesichts höherer Lebenserwartung und fester Ruhestandsgrenzen, von städtischen Organen, Stiftungen, Vereinen und Körperschaften betrieben wird. Von vorindustrieller Zeit bis in das vorige Jahr- hundert hinein war das Leben der alten Leute selbstverständlicher Bestandteil des Familienlebens. Alte Menschen, die sich aus unterschiedlichsten Gründen nicht selbst versorgen konnten, fielen der sogenannten Armenpflege anheim. Dieser Armenpflege hatten sich – ausgehend vom ethisch-religiösen Weltbild der Nächstenliebe, also einem karitativen Leitbild – ritterliche und bürgerliche Orden, Klöster, Spitäler, Gilden, Zünfte, Bruderschaften und Bürger verschrie- ben (Rosenmayr/Rosenmayr 1978: 197). Dabei war die Einrichtung von Unter- kunftsmöglichkeiten im 16. Jahrhundert in Augsburg, die von den Fuggern für verarmte Bürger geschaffen worden war, richtungsweisend. Mit dem Auseinanderbrechen traditioneller Strukturen im Gefolge der Industrialisierung veränderte sich das karitative Leitbild der Armenpflege und wurde zu einem rationalen. Zwar wurde 1889 die Invaliden- und Alters- versicherung des Deutschen Reiches ins Leben gerufen, aber sie war den viel- fältigen Aufgaben kaum gewachsen. Es waren gerade Stiftungen und Vereine, die beim Bau und Unterhalt von Altenheimen behilflich waren. Die entstan- denen „Siechenhäuser“ sollten einerseits Menschen aus der Gesellschaft aus- gliedern, andererseits die Gesellschaft vor bestimmten Menschengruppen schützen. Zwei Funktionen hatten diese Häuser zu erfüllen: Sie waren Ster- behaus und Verwahranstalt mit der...

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