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Die literarische Rezeption des Cato Uticensis

In Ausschnitten von der Antike bis zur Neuzeit

Stephan Gäth

Der Blick auf Cato war nach seinem Tod und in der Antike zum größten Teil positiv geprägt. Die romantische Vorstellung vom freiheitsliebenden Widerstandskämpfer, der für seine Ideale eher in den Tod ging als zur ausgestreckten Hand Caesars, wurde erst mit dem christlichen Mittelalter relativiert, erlebte mit der letzten Hälfte der Frühen Neuzeit eine eigene Renaissance und sollte erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wieder kritischer betrachtet werden. Mit seinem Selbstmord trat Cato aus dem Schatten der großen Männer und stand für einen kurzen Moment über den um ihn herum zu Scherben zerbrechenden Dingen. Dieser Tod festigte seinen Symbolcharakter und der tragische Held verkörperte nicht nur das Freiheitsideal aller Anhänger der Republik, sondern auch das der folgenden Generationen.

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1 Die Zeitgenossen 3

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3 1 Die Zeitgenossen 1.1 Cicero 1.1.1 Die historischen Vorbedingungen Als Cicero, zurückblickend auf 700 Jahre römischer Geschichte, einen Brief an den Proconsul P. Lentulus schrieb, spiegeln sich darin einerseits die innenpoliti- schen Querelen der letzten Jahre wider, andererseits die große Gemeinsamkeit im Denken Ciceros und Catos: beide schrieben sie die strukturellen Probleme ihrer Zeit dem sittlichen Verfall zu. In Ad fam. I 8,10 spricht er vom Bündnis jener Drei, deren persönlicher Ehrgeiz das überkommene System der Väter nicht mehr als oberste Instanz des Strebens anerkannte. „Ihr Reichtum, ihre militäri- schen Machtmittel und ihr Einfluss“ hätten nur durch die Torheit der Gegner eine moralische Überlegenheit erreicht. Zwölf Jahre später schrieb er dann: „Daraus entstand […] in unserem Gemeinwesen nicht nur Uneinigkeit, sondern sogar verderbenbringende Bürgerkriege. Das wird ein ernster, tapferer und im Gemeinwesen der Führung würdiger Bürger fliehen und hassen, wird sich ganz dem Gemeinwesen ergeben, wird nicht auf Reichtum oder Macht ausgehen und wird es in seiner Ganzheit so schützen, dass er für alle sorgt.“1 Bis hierher um- fasst der Text nur Selbstlegitimation des Consulars, der sich im Bürgerkrieg auf die Seite des Gewinners begeben hatte, um seinen Status und sein Leben zu wahren. Cicero war es seiner Würde schuldig, sie nicht nur vor seinen Zeitgenossen, sich selbst und der ihm so wichtigen Meinung der Nachwelt aufrechtzuerhalten, son- dern auch seine Abkehr von Jenen zu legitimieren, die sich dem Proconsul...

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