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Identität als Experiment

Ich-Performanzen auf der Gegenwartsbühne

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Philipp Schulte

Dieses Buch zeigt anhand ausgewählter Arbeiten aus der Performance Art, auf welche Weisen sich Identitätskonstitutionen und -dekonstruktionen in den zeitgenössischen Darstellenden Künsten vollziehen. Welche Taktiken werden in den Performances angewandt, um ihre eigene, Identitäten setzende Struktur zu unterwandern? Die Untersuchung versteht sich auch als ein Plädoyer dafür, ein Bewusstsein für das Verhältnis zwischen dem performenden Subjekt und seiner Selbst-Darstellung zu entwickeln. Ihre Wirkung entfaltet sich demnach dank der Differenz zum Leben und nicht aufgrund einer Identität mit ihm. Analysiert werden Projekte von Marina Abramović, Spalding Gray, Michael Laub, Xavier Le Roy, Walid Raad und Rimini Protokoll.

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Zur Einleitung: Ein Vergleich11

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11 Zur Einleitung: Ein Vergleich Xavier Le Roy, Product of Circumstances, 19991: Ein unaufwendig in dunkle Hose und blaues Hemd gekleideter Mann, Xavier Le Roy, betritt den bis auf ein Stehpult, eine Leinwand und einen Stuhl mit einem Kissen leeren Bühnenraum, wenn man diesen Raum, der eher einem Vortragssaal gleicht, ‚Bühneʻ nennen möchte. In seinen Händen hält er ein Skript, welches er nun auf dem Rednerpult ablegt. Dann stellt er das Mikrophon auf seine Höhe ein, räuspert sich kurz, richtet seinen Blick auf das Publikum und beginnt zu sprechen. Er begrüßt seine Zuhörer, erklärt, dass er seine ‚Performanceʻ in englischer Sprache abhalten wird und bittet, eventuell aufkommende Fragen am Ende der Aufführung zu stellen; schließlich nennt er den Titel der Performance: „Product of Circumstances“. Dann setzt er erneut an und schildert offenbar – zumindest vermutlich – au- tobiographische Details seiner Entwicklung einerseits als Naturwissenschaftler, als Moleku- larbiologe, andererseits als Tänzer in den vergangenen zwölf Jahren. Gelegentlich unterbricht er seine Schilderungen, um einzelne Zusammenhänge mit Hilfe kleiner Tanzeinlagen zu ver- anschaulichen – oft Bewegungszitate aus früheren Projekten, an denen er beteiligt war –, oder er zeigt Projektionen auf der Leinwand, die Abbildungen zum Beispiel des Forschungs- materials seiner Dissertation zeigen. Nach einer knappen Stunde kommt er mit seiner streng chronologisch geordneten Erzählung in der Gegenwart, im Jahr 1999 an: „Now, to end this lecture, I would like to suggest that this performance was about a contaminated body in...

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