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Identität als Experiment

Ich-Performanzen auf der Gegenwartsbühne

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Philipp Schulte

Dieses Buch zeigt anhand ausgewählter Arbeiten aus der Performance Art, auf welche Weisen sich Identitätskonstitutionen und -dekonstruktionen in den zeitgenössischen Darstellenden Künsten vollziehen. Welche Taktiken werden in den Performances angewandt, um ihre eigene, Identitäten setzende Struktur zu unterwandern? Die Untersuchung versteht sich auch als ein Plädoyer dafür, ein Bewusstsein für das Verhältnis zwischen dem performenden Subjekt und seiner Selbst-Darstellung zu entwickeln. Ihre Wirkung entfaltet sich demnach dank der Differenz zum Leben und nicht aufgrund einer Identität mit ihm. Analysiert werden Projekte von Marina Abramović, Spalding Gray, Michael Laub, Xavier Le Roy, Walid Raad und Rimini Protokoll.

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Schluss: Identität als Experiment 413

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413 Schluss: Identität als Experiment Anhand unterschiedlichster Beispiele aus vierzig Jahren jüngster Theaterge- schichte habe ich untersucht, auf welche verschiedenen Weisen Identitätskon- stitutionen in avantgardistischen Theaterstücken und -projekten vollzogen werden. Es hat sich gezeigt, welche große Rolle Tendenzen der Verfremdung und Offenlegung dieser ästhetischen Konstruktionen dabei spielen. Exempla- risch wurden unterschiedliche Strategien der Offenlegung von Identitäts- konstrukten vorgestellt, die mal sehr subtil, mal sehr radikal dem Zuschauer die Fähigkeit eines oszillierenden Blicks abverlangen: Neben der ihm angebotenen Fiktion auf der Bühne soll ihm immer gewahr bleiben, dass sie nur eine von mehreren möglichen ist, vielleicht zu einem bestimmten Zweck gewählt, viel- leicht aus bestimmten diskursiven Notwendigkeiten erforderlich, jeweils aber nur eine Inszenierungsmöglichkeit unter zahllosen vorstellbaren. Von den eher versteckten Hinweisen eines Spalding Gray und den deutlichen eines Xavier Le Roy darauf, dass ihre großenteils sprachlichen Versuche der Identitätskonstruk- tion niemals ganz hinreichen, immer also ein unrepräsentierbarer, uner- zählbarer Rest bleibt, bis hin zu den radikalen und dennoch letztlich vergebli- chen Bemühungen einer Marina Abramović, sich einem Bereich des Symboli- schen zumindest zeitweise zu entziehen; von der Distanznahme zu vergange- nen Repräsentationskombinationen eines Dr. Sven Otto bei Rimini Protokoll bis hin zu der unvereinbaren Vereinigung zweier sich widersprechender und doch in gleichem Maße glaubwürdiger Identitäten und Vergangenheitsentwürfe auf nur einen anwesenden Performerkörper bei Michael Laub, aber auf andere Weise auch bei Walid Raad: Jeder Setzung wohnt ihre Zer-Setzung inne,...

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