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Erst kommt die Ästhetik, dann kommt die Moral

Bedingungen der Möglichkeit von Moralerziehung

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Claudia Gerdenitsch

In regelmäßigen Abständen klagen aufgeregte öffentliche Diskurse eine Erziehung zu Werten und zur Moralität ein. In der Tat ist es eine der zentralen Fragen der Pädagogik, wie überhaupt Moralerziehung möglich sei. Diese Frage stellt sich aktuell in besonders prekärer Weise. Der Band trägt ein Stück weit zur Versachlichung der Diskussion bei, weil er erneut den Zusammenhang von Ästhetik und Moral in Erinnerung bringt und im Rückgriff auf prominente Vertreter – wie Baumgarten, Kant, Schiller und Herbart – die notwendigen Voraussetzungen einer angemessenen Moralerziehung klärt und ihre Möglichkeiten, aber auch ihre Grenzen deutlich aufzeigt.

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2 Immanuel Kant – Kategorischer Imperativ und ästhetische Urteilskraft - 39

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39 2 Immanuel Kant – Kategorischer Imperativ und ästhe- tische Urteilskraft 2.1 Pädagogik aus philosophischer Perspektive Kant sieht das Problem der Erziehung zur Moralität dadurch bestimmt, dass auf dem Gebiet der moralischen Erziehung nicht auf herkömmliche und bekannte Mittel der Pädagogik wie Lob und Strafe (vgl. Koch 2003, S. 213) zurückgegrif- fen werden könne und Lehrende zunächst ihre Begriffe klären müssten, um in ihrem moralpädagogischen Handeln nicht auf falsche, weil heteronome Triebfe- dern und Interessen zu setzen (vgl. Kant 1785/1984, GMS, S. 54n). Nicht die prinzipielle Unmöglichkeit, Moralerziehung zu denken, fordert Kants Überle- gungen heraus, sondern die Schwierigkeiten des praktischen Feldes: Da es mit unbedingtem Interesse zu tun hat, geht es über den üblichen pädagogischen Rah- men hinaus und erfordert eine Erweiterung des pädagogischen Blicks auf Perso- nen als sinnlich-leibliche und zugleich vernünftige Subjekte – und damit auch die Klärung des konkreten Verhältnisses, von intelligiblem und sensiblem Cha- rakter eines Menschen. Damit ist auf den anthropologischen Entwurf verwiesen, der der Kantischen Moralphilosophie zugrunde liegt und an den auch Schiller maßgeblich an- schließt (vgl. u. a. Schiller 1795/1962, 4.). Kant stellt den Menschen, wie auch die gesamte Wirklichkeit, in doppelter Perspektive vor: einerseits als Teil der Natur, als möglichen Gegenstand von empirischer Wissenschaft und Sinnenwe- sen; andererseits aber als Vernunftwesen, d. h. als moralisches und autonomes Wesen und Teil eines „Reichs der Zwecke“ (Kant 1785/1984, GMS, S. 85; Her- vorh. im Original). Der Mensch...

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