Show Less

Bildung und soziale Differenzierung in der Gesellschaft

Series:

Edited By Dieter Kirchhöfer and Christa Uhlig

Trotz des mittlerweile populären Wissens über die Wechselwirkung zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen scheint eine grundlegende Reform des Bildungswesens in Deutschland nach wie vor schwierig. Parteipolitische Interessenkonflikte, halbherzige Reformideen, bildungsbürgerliches Besitzstandsdenken und tradierte Vorbehalte gegenüber international anerkannten Erfahrungen mit integrativen Bildungssystemen hemmen die Möglichkeit, Bildung zu einem wichtigen Faktor sozialer Integration und Chancengleichheit zu entwickeln und einer zunehmenden sozialen Spaltung der Gesellschaft entgegenzuwirken. In den Beiträgen des Bandes werden aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven Hintergründe und Problemlagen dieser Situation erörtert und Alternativen diskutiert. Dabei bildet Schule ein maßgebliches, aber keineswegs alleiniges Element der Bildungsorganisation einer Gesellschaft.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Soziale Differenzierung und Bildung in Deutschland – Diskurse und Erfahrungen

Extract

119 Werner Naumann Aspekte eines systemischen Herangehens an Fragen der Chancengleichheit und der sozialen Integration von Schü- lern im Schulsystem der Bundesrepublik Deutschland Am 16. August 2011 hat das Institut der deutschen Wirtschaft Köln eine aktuelle Studie zu Schülerleistungen in Deutschland unter dem Titel „Bildungsmonitor 2011 – Fortschritte auf dem Weg zu mehr Wachstum und Bildungsgerechtig- keit“ vorgelegt. Dieser Forschungsbericht registriert erfreuliche Fortschritte, gibt aber zugleich auch Anlass zu weiterführenden kritischen Fragen. Da sich jeder die Studie über das Internet beschaffen kann, möchte ich mich darauf beschrän- ken, nur wenige Ergebnisse zu nennen, um daran anknüpfend einige weiterfüh- rende kritische Fragen zu erörtern. Mit Rücksicht auf das Anliegen unseres Kol- loquiums möchte ich zunächst eine grundlegende Erkenntnis aus dem For- schungsbericht zitieren: „Internationale Vergleiche von schulischen Organisa- tionsformen hinsichtlich der Homogenität der Schülergruppen und der Dauer des gemeinsamen Unterrichtens zeigen, dass die in Deutschland übliche äußere Differenzierung erstens nicht die beabsichtigten leistungshomogenen Lernmili- eus herstellt und zweitens kein höheres Leistungsniveau zur Folge hat“ (Bil- dungsmonitor 2011, S. 81 – dort unter: „Aktionsrat Bildung, 2008“). Diese Er- kenntnis sollte von den Befürwortern des gegliederten Schulsystems endlich ernst genommen werden. Es lassen sich noch weitere Erkenntnisse des For- schungsberichts nennen, die im Sinne der Überwindung von Bildungsarmut und der Herstellung von mehr Gerechtigkeit im Bildungssystem unserer Zustim- mung verdienen. Aus Zeit- bzw. Platzgründen möchte ich mich aber auf einige Positionen konzentrieren, die für eine...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.