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Politische Kultur und Theatralität

Aufsätze, Essays, Publizistik- Mit einem Vorwort von Joachim Fiebach

Gottfried Fischborn

Der Verfasser beschreibt und analysiert Elemente und Aspekte von Theatralität in der politischen Kultur Deutschlands zwischen 1990 und 2011. In diesem Sinne versteht sich das Buch als angewandte Theaterwissenschaft mit interdisziplinärem Bezug zur Politik- und Kommunikationswissenschaft. Dabei rücken vor allem die Schwierigkeiten und Widersprüche des deutschen Vereinigungsprozesses in den Focus. Die Theaterwissenschaft der DDR gab für das Diskursfeld «Theatralität» vor allem durch Rudolf Münz und Joachim Fiebach schon seit 1978 folgenreiche Anstöße. An Fiebachs kommunikationswissenschaftlich geprägtes Konzept schließt der Verfasser unmittelbar an. Die Studien und publizistischen Arbeiten werden ergänzt durch einige literaturwissenschaftliche, thematisch angrenzende Texte, unter anderem zu Peter Hacks, Heiner Müller, Alfred Matusche und Uwe Tellkamp.

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SCHREIBEN LERNEN IN LEIPZIG

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Es ist der Frühsommer 1991, wir sind vom neu gegründeten Ministerium für Wissenschaft und Kunst nach Dresden geladen worden. Wir: das sind – damals noch! – leitende Mitarbeiter aus den sächsischen Kunsthoch- schulen. In der Pause steht der Direktor des Literaturinstituts „Johannes R. Becher“ neben uns von der Theaterhochschule „Hans Otto“ auf der Brühlschen Terasse, Leipziger wir alle. Sein Institut ist gerade abgewickelt worden, ich vergesse nicht seinen Schmerz in Gesicht und Stimme. Unse- re Schule ist noch mal davongekommen – ein Jahr später gibt es sie auch nicht mehr, Teile von ihr sind in die Musikhochschule eingemeindet. Damals wurde gehobelt und manchmal gab es ziemlich große Späne. Ob das „Becher“-Institut nicht auch subversiv zu wirken suchte, blieb bis heu- te umstritten. In seinem Falle gab es Proteste in West und Ost. Sie haben das Institut, das unter starken Ideologieverdacht gestellt wurde, nicht ge- rettet. Aber sie zeigten schließlich Wirkung. Anfang 1998 sitze ich dann Berndt Jentzsch in seinem Dienstzimmer gegenüber, als ich eine Gastdo- zentur beginnen soll – seit 1993 ist er Gründungsdirektor des völlig neuen, nunmehr der Universität angegliederten Deutschen Literaturinstitutes Leipzig (DLL). Leider habe ich Jentzsch, der sich um die DDR-Poesie ver- dient gemacht hatte und als couragierter Dissident hervorgetreten war, in der Arbeit nicht mehr kennengelernt: als ich begann, war er schon krank. Seine Stelle konnte bis heute nicht wieder besetzt werden. Die beiden Schriftsteller Hans Ulrich Treichel und Josef Haslinger kamen erst 1995, als die...

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