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Politische Kultur und Theatralität

Aufsätze, Essays, Publizistik- Mit einem Vorwort von Joachim Fiebach

Gottfried Fischborn

Der Verfasser beschreibt und analysiert Elemente und Aspekte von Theatralität in der politischen Kultur Deutschlands zwischen 1990 und 2011. In diesem Sinne versteht sich das Buch als angewandte Theaterwissenschaft mit interdisziplinärem Bezug zur Politik- und Kommunikationswissenschaft. Dabei rücken vor allem die Schwierigkeiten und Widersprüche des deutschen Vereinigungsprozesses in den Focus. Die Theaterwissenschaft der DDR gab für das Diskursfeld «Theatralität» vor allem durch Rudolf Münz und Joachim Fiebach schon seit 1978 folgenreiche Anstöße. An Fiebachs kommunikationswissenschaftlich geprägtes Konzept schließt der Verfasser unmittelbar an. Die Studien und publizistischen Arbeiten werden ergänzt durch einige literaturwissenschaftliche, thematisch angrenzende Texte, unter anderem zu Peter Hacks, Heiner Müller, Alfred Matusche und Uwe Tellkamp.

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JAHRGANG 36 UND IN SACHSEN

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Marginalien zum 17. Juni Wenn man ein Sachse ist und 1936 auf die Welt kam, dann hat man noch Erinnerungsfetzen an diesen 17. Juni 1953. Ich will es nicht überschätzen, aber man meint etwas auf der Zunge zu spüren, das nicht nur nach Ge- schichtsmuseum schmeckt, sondern doch ein wenig nach dem Salz der Erfahrung. Nur weiß man nicht so recht: was ist Museum, was Erfahrung? Man war damals siebzehn Jahre alt. Mein längst zum Rheinländer gewordener Sohn, der 1990 unsere Stadt Leipzig verließ, um im Westen endgültig sein Glück zu machen, wobei es nur mit der Endgültigkeit nicht so recht klappte, zeigte bei seinem vorletz- ten Besuch auf schwarze Vertiefungen im Putz unseres Nachbarhauses, Ecke Johannisallee und Philipp-Rosenthal-Straße. – „Na und?“, frage ich. – „Das sind Einschußstellen, man sieht sie immer noch. Hier wurde 53 geschossen, am Siebzehnten.“ – „Noch nie gehört. Woher weißt du das?“ – „Weiß nicht.“ – Aber er, Jahrgang 63, wußte, daß es so war. „Unsere ganze Klasse wußte das. Hier ist auf Arbeiter geschossen worden.“ Was ist Legende, was ist Wahrheit? Es gibt gründliche Forschungen, um- fangreiche Veröffentlichungen über den 17. Juni in Sachsen, speziell in Leipzig. Ich habe gelesen, ich habe gesucht. Über irgendwelche Kämpfe in der Nähe meiner heutigen Straßenecke habe ich nichts gefunden. Wann und wo findet Legendenbildung statt, wie erreicht sie die nächs- te Generation und wie spinnt sie sich fort? Die in den bundesrepublika- nischen...

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