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Erfahrungen japanischer Entwicklungszusammenarbeit in Nepal

Interessen, Entwicklungsziele und internationale Normen

Jörg Kruth

In Nepal wirken heute, in der vorerst konsolidierten politischen Lage nach dem Bürgerkrieg, wieder zahlreiche japanische Akteure der Entwicklungszusammenarbeit. Jahrzehntelang waren staatliche ODA-Hilfsleistungen ein singuläres Instrument japanischer Außenpolitik. Diese Situation resultierte überwiegend aus der Abwesenheit eines westlich-privatrechtlichen Systems der Bürgerbeteiligung. Eine neue Generation von Organisationen verfolgt inzwischen nicht unumstritten normative Anliegen wie Demokratisierung, Empowerment, ökologische Zielsetzungen und die Sicherung materieller Ressourcen. Welche Motivationen, Bezugsrahmen und Praxisprobleme liegen ihrer Arbeit zu Grunde? Die Interviews des Autors mit Beteiligten vor Ort in Japan und Nepal gingen der Frage nach, ob eine international normierte Entwicklungszusammenarbeit sich wirklich über strukturelle und staatliche Einschränkungen hinwegzusetzen vermag.

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6 THEORIEN UND MOTIVE IN NORD UND SÜD: DER FALL JAPAN UND NEPAL

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Globalisierung ist ein Phänomen mit vielerlei Facetten und sie wirkt nicht nur im ökonomischen Sektor. Politische, kulturelle, soziale und andere Faktoren sind eng mit ihr verbunden und zeigen sich auf Makro- und Mikroebene. Globa- lisierung meint eine Interrelationalität in der Welt, mit einer Vielzahl von Ver- knüpfungen und Interaktionen zwischen Individuen, Gruppen, wirtschaftlichen Unternehmungen, Regierungen und anderen Ebenen, die durch den Austausch von Menschen, Gütern, Informationen, Normen oder anderen Strukturen ver- bunden werden. Globale Normen kreieren Wissen auch im boomenden japanischen NGO- Sektor. Eine solche Wissensproduktion meint hier die Akquisition von Informa- tionen und Theorien, die einen genügend ausreichenden Rückhalt unter den Ak- teuren findet, die an ihr interessiert sind, um als Paradigma für eine öffentliche politische Absicht, um als ein soziales Ziel zu fungieren. Wissen kann neue Per- spektiven konstruieren, Normen verändern und so letztlich auch die Grundlage von Verhalten ändern. (Hirata 2002: 60-62) Gerade wenn es um das Leben der Anderen, ihre technische und politische Entwicklung geht oder die Zerstörung eines sich scheinbar im gesunden Gleich- gewicht befindlichen ökologischen Lebensraumes auf dem Spiel steht, dem un- terschiedliche ökonomische Bedeutung zugemessen wird, mag dies umfassende Folgen auf das Verhalten von Menschen auch in Japan besitzen. Es sind kaum nationale Bezugsgrößen, die hier Wirkung besitzen. Es wird Bezug genommen auf eine neue postulierte globale Einheit, mitunter sogar in diesem Rahmen auf eine neue Form von "Menschlichkeit". Die vorgenannten kosmopolitischen Normen haben inzwischen auch in Japan eine breite Akzeptanz erlangt. Japanische...

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