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Alessandro Tassoni (1565-1635)

Metamorphosen des Epos

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Stephanie Neu

Alessandro Tassonis heroisch-komisches Epos La secchia rapita (1622) scheint auf den ersten Blick recht einfach strukturiert zu sein: In zwölf Gesängen wird der Krieg zwischen den norditalienischen mittelalterlichen Städten Modena und Bologna um einen Holzeimer geschildert. Was zunächst «nur» wie eine Epos-Parodie klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als vielschichtiges, oft widersprüchliches Spannungsfeld literarischer und wissenschaftlicher Diskurse. Die hier vorgestellte erzähl- und diskurstheoretische Analyse bringt entsprechend die vielfältigen Gattungsbezüge ans Licht und bindet Tassonis poema eroicomico in den zeitgenössischen poetologischen und politischen Kontext ein.

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2. Alessandro Tassonis Position im literarischen und politischen Kontext seiner Zeit

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2.1 Skizzierung von Tassonis Stellung als „uomo di corte“ und Literat Wie die Kapitel zu Tassonis politischen Schriften sowie zu seiner Biographie bereits illustriert haben, lassen sich mit Rom, Modena und Turin drei urbane Zentren bestimmen, die in enger Verbindung zu seiner Tätigkeit als Sekretär ste- hen. Die Städte repräsentieren in diesem Kontext zwei Institutionen, die als Orte kultureller Produktion im Seicento – neben den Universitäten – von maßgebli- cher Bedeutung waren: „[...] un ruolo centrale occupano, in relazione ai fenome- ni letterari, Corti e Chiesa.“328 Hervorzuheben sind des Weiteren die Akademien, die als Treffpunkt von Wissenschaftlern und Literaten zunehmend an Relevanz gewannen: Non vʼè dubbio che da molto tempo, fin dallʼepoca umanistica, soprattutto in Italia, unʼaltra „istituzione“ si era consolidata sul terreno a cavallo tra dibattito culturale, produzione dei saperi, formazione di nuovi pubblici, in concorrenza esplicita con le istituzioni tradizionali: parliamo ovviamente delle Accademie.329 Tassonis Beteiligung an den Sitzungen der römischen Accademia degli Umoris- ti, seine Stellung als Sekretär mehrerer Kardinäle und sein Aufenthalt am Hofe Carlo Emanueles in Turin charakterisieren ihn entsprechend als für das Seicento geradezu paradigmatische Figur. Wie sich die Situation eines Angehörigen der „repubblica delle lettere“ im Fadenkreuz von Akademien, Gunst des Publikums und Mäzenatentum Anfang des 17. Jahrhunderts gestaltete, soll an dieser Stelle u. a. punktuell anhand der biographischen und literarischen Parallelen zwischen Tassoni und Giambattista Marino illustriert werden. Marinos Adone (1623) verkörpert in Bezug auf Stil, Inhalt und Struktur...

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