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Alessandro Tassoni (1565-1635)

Metamorphosen des Epos

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Stephanie Neu

Alessandro Tassonis heroisch-komisches Epos La secchia rapita (1622) scheint auf den ersten Blick recht einfach strukturiert zu sein: In zwölf Gesängen wird der Krieg zwischen den norditalienischen mittelalterlichen Städten Modena und Bologna um einen Holzeimer geschildert. Was zunächst «nur» wie eine Epos-Parodie klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als vielschichtiges, oft widersprüchliches Spannungsfeld literarischer und wissenschaftlicher Diskurse. Die hier vorgestellte erzähl- und diskurstheoretische Analyse bringt entsprechend die vielfältigen Gattungsbezüge ans Licht und bindet Tassonis poema eroicomico in den zeitgenössischen poetologischen und politischen Kontext ein.

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3. Narratologische Untersuchung der Secchia rapita unter Einbeziehung diskurstheoretischer Fragestellungen

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3.1 Figuren und Erzähler in der Secchia rapita Wie Boccalinis Ragguagli di Parnaso und Stefano Jossas Untersuchungen zum Epos beispielhaft vor Augen führen, können fiktionale Werke im Cinque- und Seicento Beiträge zu Diskussionen liefern, die über rein dichtungstheoretische Fragen hinausgehen. Bereiche des Faktischen finden ebenfalls Eingang in die SR; dazu zählen neben den in Kapitel 2.2 skizzierten politischen Themen auch Vorfälle der zeitgenössischen „cronaca rosa“ und „cronaca nera“, die sich – zu- sammen mit Material aus wissenschaftlichen Spezialdiskursen – gewinn- bringend u. a. für parodistische Zwecke einsetzen lassen. In den Vordergrund rücken dabei die Protagonisten der SR: Tassonis „Diskursfäden“ sprachge- schichtlicher, politischer und dichtungstheoretischer Natur, mit denen er sich in seinen zahlreichen Traktaten, Glossen und Streitschriften befasst, laufen hier zu- sammen und sorgen für eine heterogene und oft widersprüchliche Charakterisie- rung der dramatis personae. Im Mittelpunkt der folgenden Kapitel stehen zunächst die „irdischen“ Ak- teure der SR, die anschließend – in Kapitel 3.1.2 – in Relation zu den Götterfigu- ren gesetzt werden, um Kontrast- und Korrespondenzrelationen herausarbeiten zu können. In die Figurenanalyse fließen die oben skizzierten Überlegungen Fo- tis Jannidisʼ zu Figurenmodellen, figuralen und situativen Schemata ebenso ein wie die Betrachtung intertextueller Bezugnahmen. Thematisiert wird darüber hinaus die Rolle des Erzählers, in dessen „Zuständigkeitsbereich“ nicht nur die Vergabe von Figureninformationen, sondern ebenso metanarrative491 Kommen- tare fallen. 3.1.1 Vorbemerkungen zu den parodistischen Verfahren in der Secchia rapita In einem Aufsatz zum komisch-parodistischen Charakter der Epen...

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