Show Less

Was kann Kunst?

Der erweiterte Kunstbegriff im pädagogischen und soziokulturellen Kontext- Künstlerische Projekte mit benachteiligten Kindern und Jugendlichen

Series:

Ulrika Eller-Rüter, Friedemann Geisler and Michael Brater

Kunst gilt heute als verzichtbar, als Fremdkörper in einer durchökonomisierten Welt. Umso verwunderlicher, dass sich Diktaturen so sehr bemühen, Kunst und Künstler zu disziplinieren, sie «gleichzuschalten». Wovor haben sie Angst? Künstlerisch-praktische Projekte mit Schulkindern und Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten zeigen, was Kunst (auch) kann: die Verbindung zu den eigenen schöpferischen Kräften herstellen; Selbstbewusstsein stärken; Mut machen, das eigene Leben in die Hand zu nehmen, an sich zu glauben und sich mutig dem Unbekannten zu stellen. So trägt sie dazu bei, soziale Benachteiligung zu überwinden und sich und seine gesellschaftlichen Verhältnisse als gestaltbar zu begreifen. Dieses Buch berichtet von solchen Erfahrungen und versucht, sie zu verstehen. Es möchte professionelle Künstler und für Bildung Verantwortliche nachdrücklich auf die soziale Kraft der Kunst hinweisen und für diese werben.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

4. Kapitel: Kunstprojekte mit benachteiligten Kindern und Jugendlichen (Michael Brater)

Extract

„Ziel der künstlerischen Bildung ist der Mensch als Künstler, der zu schöpferischem und selbstbestimmtem Handeln in der Lage ist“143 Wir wollen uns nun der besonderen Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen zuwenden, die in sozialen Brennpunkten leben und die als „sozial benachteiligt“ gelten. Wir wollen fragen, was künstlerische Projekte „sozial benachteiligten“ Kindern und Jugendlichen bringen können, und wir wollen dies aus soziologischer Sicht tun. Dabei wird zugleich der theoretische Ansatz dargelegt, der hinter dem KUSCH-Projekt stand. 4.1 Soziale Benachteiligung und ihre Überwindung 4.1.1 BegrifflicheKlärungen Unter „sozialer Benachteiligung“ versteht man die „eingeschränkte Teilhabe an der Gesellschaft im ökonomischen, kulturellen und politischen Bereich“144. „Teilhabe“ heißt allgemein, „einbezogen sein“ – in eine Gruppe, in Lebensverhält- nisse, in soziale Zusammenhänge. Etwas konkreter bedeutet Teilhabe, unter normalen Bedingungen am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben, an den im Prinzip allen Menschen offenstehenden gesellschaftlichen Institutionen – Schule, Arbeits- leben, politisches Leben, Kultur – teilnehmen und ein Leben als volles Mitglied der Gesellschaft führen zu können. Diese volle Teilhabe am gesellschaftlichen Leben stellt in den westlichen Gesell- schaften einen hohen Wert dar, weshalb sie in vielen Ländern jedem Staatsbürger gesetzlich garantiert ist. Sie kann aber aus vielen Gründen auch in diesen Gesell- schaften de facto oder auch per Gesetz „eingeschränkt“ sein – z. T. aufgrund persön- licher Bedingungen (z. B. Vorstrafen), häufiger aber aufgrund bestimmter persönli- cher oder der Person zugeschriebener Merkmale. Dazu gehört vor allem der gesamte Bereich der physischen Einschr...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.