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Jüdische Nachbarschaften in New York

Eine Lektüre der lesbaren Spuren der «jüdischen Frage deutscher Art» in Uwe Johnsons "Jahrestage</I>

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Stefan Gädtke

«Es flaniert, das Kind.» Es ist diese randständige Aussage Mrs. Ferwalters, der gezeichneten Überlebenden der Shoah, die sie verschwörerisch lächelnd ihrer Nachbarin, der scham- und schuldbewussten Deutschen Gesine Cresspahl zuflüstert, in der Uwe Johnson eine Utopie eines noch möglichen deutsch-jüdischen Dialogs versteckt. Es ist diese Aussage, es ist das Flanieren, das eine nachlesbare Spur legt zu einer Antwort auf die «jüdische Frage deutscher Art». Genau dieser lesbaren Spur geht die Lektüre der Jahrestage nach und entdeckt den Schriftsteller Johnson als einen Flanierenden: Uwe Johnson ist ein Flaneur, der die Kunst des Spazierens von seiner jüdischen Nachbarin Hannah Arendt in New York gelernt hat.

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2. Uwe Johnsons Begegnungen in New York

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WILLSON Was gefällt Ihnen an der Stadt New York? JOHNSON Ich kann es nicht mehr aufzählen. Ich war zum ersten Mal im Jahre 1961 da für vier Wochen. 1965 noch einmal für zwei Wochen und in den zweieinhalb Jahren, die ich dort als Bürger und Steuerzahler lebte, ist das für mich eine Heimat geworden. A. Leslie Willson im Gespräch mit Uwe Johnson, Sheerness-on-Sea 1982 Das meiste, was ich über Judentum gelernt habe, habe ich hier in Amerika gelernt. New York ist schließlich heute noch die Stadt mit der größten jüdischen Bevölkerung der Welt, mit allen Arten von Juden. Thomas Hartwig im Gespräch mit Harry Asher, New York 1982 Aber die Stadt sagt nicht ihre Vergangenheit, sie enthält sie wie die Linien einer Hand, ge- schrieben in die Straßenränder, die Fenstergitter, die Brüstungen der Treppengeländer, die Blitzableiter, die Fahnenmasten, jedes Segment seinerseits schraffiert von den Kratzern, Sägspuren, Einkerbungen, Einschlägen. Italo Calvino: Die unsichtbaren Städte 2.1. Spazieren in New York New York, September 1983 Noch einmal, zum lebenszeitlich letzten Mal hält sich Uwe Johnson im September 1983 in New York auf, um im Auftrag der Wochenzeitung Die Zeit - auf Grund einer Initiative des damaligen Feuilletonchefs Fritz J. Raddatz269 - etwas über die Stadt, über seine Stadt New York270 zu schreiben. "Lieber Uwe Johnson", schreibt Raddatz in ei- nem Brief vom 5. August aus Hamburg, "wie Sie wissen, hat Rolf Michaelis...

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