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Zur Dogmatik der Anschaffungsnebenkosten

Unter besonderer Berücksichtigung der Bilanzierung von ERP-Software

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Britta Höwer

Unter welchen Voraussetzungen sind Aufwendungen als Anschaffungsnebenkosten zu behandeln? Diese Frage wurde bislang unter Rückgriff auf das Erfolgsneutralitätsgebot beantwortet. Daran kann indes nicht festgehalten werden. Vielmehr ist das Vorsichtsprinzip zugrundezulegen. Basierend auf diesem Grundsatz stellen Aufwendungen Anschaffungsnebenkosten dar, wenn sie zu einer Werterhöhung des angeschafften Wirtschaftsguts führen. An diesen Vorgaben hat sich die Abgrenzung zu Herstellungskosten und Betriebsausgaben zu orientieren. Wendet man die dabei gefundenen Ergebnisse auf die Implementierung von ERP-Software an, so wird u.a. deutlich, dass Aufwendungen für das sogenannte Customizing als Anschaffungsnebenkosten zu behandeln sind.

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1. Teil: Einleitung

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„Anschaffungskosten sind gleich Kaufpreis zuzüglich der Anschaffungsneben- kosten“1. Dies führte Hast bereits im Jahr 1935 aus. An der Richtigkeit dieser Aussage hat sich bis zum heutigen Tag nichts geändert. So sieht § 255 Abs. 1 Satz 2 HGB vor, dass zu den Anschaffungskosten2 auch die Nebenkosten gehö- ren. Wie sich dem von Hast entlehnten Zitat entnehmen lässt, haben die An- schaffungskosten und deren Nebenkosten schon eine lange Tradition im deut- schen (Steuer-) Bilanzrecht.3 Insofern verwundert es nicht, dass die Anschaf- fungsnebenkosten in hohem Maße durch Literatur und höchstrichterliche Rspr. geprägt sind. So vertrat der BFH im letzten Jahrhundert in zahlreichen Entschei- dungen den sog. engen Anschaffungskostenbegriff. Bekannt ist hier vor allem der Beschluss des Großen Senats aus 1966, in dem der Senat betonte, dass An- schaffungskosten nur diejenigen Aufwendungen seien, die getätigt werden, um das Wirtschaftsgut in die eigene Verfügungsmacht zu überführen.4 Im Gegen- satz dazu hatte sich die Lehre überwiegend bereits dem sog. weiten Anschaf- fungskostenbegriff angeschlossen und erfasste als Nebenkosten auch diejenigen Aufwendungen, die der Versetzung des Vermögensgegenstands bzw. Wirt- schaftsguts5 in Betriebsbereitschaft dienen.6 Trotz dieser Divergenz zwischen Rspr. und Literatur, die gravierende Aus- wirkungen auf den Umfang der zu aktivierenden Anschaffungsaufwendungen 1 Hast, Grundsätze ordnungsmässiger Bilanzierung für Anlagegegenstände, S. 35. 2 Unter „Kosten“ sind hier ausschließlich sog. pagatorische Kosten zu verstehen, da die Bewertung zu Anschaffungskosten nur von tatsächlich angefallenen Aufwendungen ge- tragen werden soll, vgl. Mellerowicz in:...

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