Show Less

Quo vadis, Geldstrafe?

Möglichkeiten und Grenzen einer ambulanten Sanktion

Series:

Marcel Arendt

Während Wirtschafts- und Finanzkrisen, hohe Arbeitslosen- und steigende Armutszahlen die Gesellschaft verändern, blieb das strafrechtliche Sanktionensystem jahrzehntelang nahezu unverändert. Obwohl im mittleren und unteren Kriminalitätsbereich umfangreiche unerwünschte Nebenfolgen bei den verurteilten Tätern eine entsprechende Anpassung unabdingbar machen, führen leere Haushaltskassen und Kriminalitätsverzerrungen scheinbar zu einer politischen und wissenschaftlichen Resignation im Sanktionenrecht. Diese Arbeit greift bislang diskutierte Änderungs- und Ausbauvorschläge bei der Geldstrafe auf, bringt neue Ideen ein und untersucht alles im Lichte des aktuellen Reformbedarfs. Als Ergebnis wird ein erweitertes Strafensystem vorgestellt, mit dem die Geldstrafennutzung erheblich verbessert wird.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Teil 1: Das bestehende Sanktionensystem

Extract

1 Das Sanktionensystem Eine Rechtsfolge im Strafrecht ist die staatliche Reaktion oder die missbilligende öf- fentliche Reaktion auf eine Straftat oder rechtswidrigen Tat1. Das deutsche Rechtsfol- gensystem folgt dem Grundsatz der Zweispurigkeit, indem es zwischen Strafen und vorbeugenden Maßnahmen unterscheidet. Während für die in den §§ 38 ff. StGB gere- gelten Strafen die Schuld des Täters zugleich Voraussetzung und gemäß § 46 Abs. 1 StGB Zumessungsgrundlage ist, können die in die Zukunft gerichteten vorbeugenden Maßnahmen, wie die in den §§ 61 ff. StGB geregelten Maßregeln der Besserung und Sicherung, unabhängig vom Schuldmaß oder auch ohne Schuld des Täters angeordnet werden2. Dieses Prinzip basiert auf der Erkenntnis, dass Strafen nicht immer allen Aufgaben des Strafrechts, insbesondere einem ausreichenden Rechtsgüterschutz, genügen und gegebenenfalls durch Maßregeln der Besserung und Sicherung, die der Gefährlichkeit des Täters entgegenwirken sollen, ergänzt werden müssen3. Die im Folgenden zu untersuchenden, als „Strafen“ bezeichneten Sanktionsformen werden unter Betrachtung der Zweispurigkeit von zwei Elementen geprägt: dem öf- fentlichen sozialethischen Unwerturteil über die schuldhaft begangene Tat und dem zwangsweise auferlegten Übel4. Das sozialethische Unwerturteil folgt aus dem Schuldspruch und macht die symbolischen Wirkungen des Strafrechts deutlich, indem es dem Täter das normbrechende Geschehen personell zuweist, ihn ächtet, Solidarität mit dem Opfer bekundet und die Normgeltung bekräftigt5. Das zwangsweise auferleg- te Übel besteht in einem Eingriff in die Rechtsphäre des Verurteilten wie Freiheit, Vermögen, Freizeit oder soziales Ansehen6. Dabei setzt sich das deutsche...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.