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Die Entwicklung des Spannungsverhältnisses von Freiheit und Gleichheit im deutschen Zivilrecht seit der Französischen Revolution

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Po-Feng Chou

Seit der Französischen Revolution werden Freiheit und Gleichheit als die wichtigsten Prinzipien des Zivilrechts angesehen. Die Beziehung von Freiheit und Gleichheit ist jedoch aufgrund des bestehenden Spannungsverhältnisses problematisch. Im Zentrum dieser Arbeit steht die Frage, wie das Zivilrecht in der historischen Entwicklung mit dem Spannungsverhältnis von Freiheit und Gleichheit umgeht. Es soll veranschaulicht werden, dass die Entwicklung des Spannungsverhältnisses mit der Suche nach einer besseren Lebensform verbunden ist und dass diese Suche eine treibende Kraft bei der Fortentwicklung des Rechts ist.

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3. Teil: Die Gleichheit im Zivilrecht als Herausforderung an das 20. und 21. Jahrhundert

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69 3. Teil: Die Gleichheit im Zivilrecht als Heraus- forderung an das 20. und 21. Jahrhundert Wie im 2. Teil der Arbeit dargestellt, war der Ausgangspunkt des Zivilrechts die Privatautonomie und die Vertragsfreiheit, um die auf dem inneren Willen beru- hende Handlungsfreiheit des Individuums zu gewährleisten. Das heißt, dass das moderne Zivilrecht grundsätzlich eine voluntaristisch akzentuierte Rechtsord- nung ist. Aber es bedeutet nicht, dass daneben die in einer Gesellschaft herr- schenden grundlegenden Wertvorstellungen im Zivilrecht keine Rolle spielen und dass das Zivilrecht allgemein missbilligte Verhaltensweisen bedingungslos anerkennen und tolerieren muss1. Man kann sogar sagen, dass die in der Gesell- schaft objektiv bestehenden Wertvorstellungen gegenüber dem Freiheitsgedan- ken im 20. und 21. Jahrhundert allmählich den größeren Einfluss auf die Ent- wicklung des Zivilrechts erlangt haben. Es ist keine Überraschung, wenn man die Gefahr, dass der Stärkere die rechtliche Freiheit missbrauchen und dadurch den Schwächeren unterdrücken kann, anerkannt hat. Die Formulierung Mengers: „Man weiss eben heute, dass es keine grössere Ungleichheit gibt, als das Ungleiche gleich zu behandeln“2 hat auf dieses Pro- blem bereits deutlich hingewiesen. Um das Problem aufzulösen, wird eine nach objektiven Kriterien geordnete Beziehung zwischen den Mitgliedern einer Ge- sellschaft im Zivilrecht gefordert. Man kann daher behaupten, dass die Forde- rung nach einem wirklich gleichen Verhältnis im Zivilrecht die Entwicklung des Zivilrechts des 20. und 21. Jahrhunderts kennzeichnet. Die Lösung der Frage, wie man die Gleichheit im Zivilrecht verwirklichen kann, ist also die wichtigste Herausforderung...

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