Show Less

Das Klavierschaffen César Francks:

Besonderheiten der Semantik der Musiksprache und ihre Bedeutung bei der Gestaltung der sinnbildlich-emotionalen Sphäre der Werke

Roman Salyutov

Diese Arbeit erweitert die Vorstellung vom besonderen kompositorischen Denken César Francks und fördert eine Annäherung an den Inhalt seiner Musik. Durch eine semantische Analyse seiner Klavierwerke wird zum ersten Mal eine Reihe von sinntragenden Elementen herausgearbeitet, darunter nebst den einzigartigen Figuren Francks meist musikalisch-rhetorische Figuren des Barock. So lässt sich die reiche sinnbildlich-emotionale Welt des Komponisten erschließen. Zugleich wird die Verbindung eines seiner größten Werke – des Zyklus «Präludium, Choral und Fuge» – mit der Heiligen Schrift, und zwar mit dem Leben und Leiden Jesu Christi erhellt. Das Buch enthält zahlreiche kommentierte Notenbeispiele und sei Musikwissenschaftlern ebenso empfohlen wie Komponisten und Interpreten.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

5 Analyse der frühen Klavierwerke

Extract

5.1 Werke für Klavier-Solo 5.1.1 Grand Caprice Op. 5 Im Jahr 1843 entstand eines von Francks populären frühen Stücken: Grand Caprice Ges-Dur Op. 5. Diese Komposition ist im bravourösen Salonstil geschrieben und weist vorwiegend Variationsentwicklungen des thematischen Materials auf. Zur Zeit der Entstehung von Grand Caprice trat Franck häufig als Pianist auf, in dessen Konzerten derartige, vom Publikum gerne angenommene Kompositionen häufig vertreten waren1. Bei der Betrachtung einiger Konzertprogramme Francks der damaligen Zeit weist Mohr2 auf den „Tiefstand“ des Publikumsgeschmacks hin.3 Dabei charakterisiert er viele frühere Stücke des jungen Komponisten als reine Gebrauchsmusik, die geschickt und individuell prägungslos ist und unter Einfluss seiner aufgezwungenen Virtuosenlaufbahn erschien. Mohr ist sogar der folgenden Meinung: „Im ganzen ist niemandem, am wenigsten dem Andenken des Meisters selbst, damit gedient, wenn man jene Allerwelts- virtuosenmusik der wohlverdienten Vergessenheit entreißt.“4 Mit dieser kategorischen Meinung kann man aber nicht absolut einverstanden sein, denn, wie die vorliegende Analyse ergibt, bereits im Frühschaffen Francks existieren einige Merkmale, die sich später in die charakteristischen Züge seiner Musiksprache verwandeln. Außerdem betont Taube bei der Betrachtung der frühen Virtuosenkarriere Francks: „Das Beste in ihm widerstrebt der modischen Richtung, und ein verschwie- gener Widerstand heißt ihn, seinen Weg zu gehen.“5 Im Grand Caprice sind Francks kompositorische Individualität sowie sein Stil noch nicht ausgeprägt, obwohl die Vielfalt der Klaviertechnik beeindruckt. Im Werk sind drei Hauptteile erkennbar. Der erste Teil beginnt nach einer kurzen...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.