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Symbole der Macht?

Aspekte mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Architektur

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Olaf Wagener

Burgen gelten gemeinhin als Symbole der Macht – aber hält diese Annahme einer wissenschaftlichen Untersuchung stand? Im Rahmen einer Tagung in Oberfell an der Mosel im November 2011 wurde diese Frage thematisiert. Eine Vielzahl von Vorträgen aus verschiedenen Disziplinen beleuchtete unterschiedliche architektonische Objekte aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit. Bewusst wurde die Burg nicht als singuläres Bauwerk behandelt, sondern in den Kontext herrschaftlicher Architektur im Allgemeinen zurückgeholt. Daher wurden in den Beiträgen Burgen, Sakralbauten, Zeughäuser, Brücken oder auch Rathäuser behandelt, und dabei immer in den Kontext von Landschaft und Gesellschaft eingebettet. Der zeitliche Rahmen erstreckte sich vom hohen Mittelalter bis in die Frühe Neuzeit, um so auch den Wandel nicht nur der architektonischen Formen, sondern auch ihrer Wahrnehmung aufzeigen zu können.

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Bauten des Mittelalters in frühneuzeitlicher Wahrnehmung. Französische Architekturdarstellungen der Dezennien um 1600. Bernd Carqué

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Bauten des Mittelalters in frühneuzeitlicher Wahrnehmung. Französische Architekturdarstellungen der Dezennien um 1600 Bernd Carqué „Der große alte Turm“ – ein solches Stichwort findet sich im 2005 erschienenen Hand- buch „Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. Bilder und Begriffe“.1 Noch bevor der Turm darin ohne nähere adjektivische Bestimmung knapp 120 Seiten später auch unter den raumordnenden architektonischen Elementen aufgeführt wird, markiert er, als „groß“ und „alt“ attribuiert, den Auftakt zum Abschnitt über Herrschaftszeichen, gefolgt von „Thron“, „Siegel“ oder „Wappen“. Der Verfasser des Eintrags erklärt den „großen alten Turm“ zum Hoheitszeichen herrschaftlicher Juris- diktionsgewalt wie zu einem dynastischen Erinnerungsmal – mithin zum prominen- testen unter jenen monumentalen Symbolen von Macht und Herrschaft, die er an anderer Stelle monographisch für die Residenzarchitektur des Alten Reiches auf- geschlüsselt hat.2 Dort bilden Turm, Haus, Kapelle und Tor den elementaren Gegen- standsbereich einer politischen Ikonographie der Burgen und Schlösser, die solche Bauteile sinnbildlich meint deuten zu können. Im Titel dieser Tagung* freilich sind die „Symbole von Macht und Herrschaft“ nicht ohne Grund mit einem Fragezeichen versehen. Denn in der Tat halten besagte Deutungen manche Irritation bereit – nicht zuletzt deshalb, weil sich der auf Tor- turm, Saalbau oder Bergfried fokussierende Blick der modernen Architekturexegese kaum besser illustrieren ließe als mit jener romantisch geprägten Imagination der idealen Burg des Mittelalters (Abb. 1), die der Theatermaler Christian Jank 1883 für König Ludwig II. von Bayern und den geplanten Wiederaufbau der Burg Falken-...

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