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Kultureller und sprachlicher Wandel von Wertbegriffen in Europa

Interdisziplinäre Perspektiven

Rosemarie Lühr, Natalia Mull, Jörg Oberthür and Hartmut Rosa

Der Sammelband dokumentiert Ergebnisse des in den Jahren 2007 bis 2010 an den Universitäten Jena und Halle gemeinsam mit internationalen Kooperationspartner/innen verfolgten Forschungsprojekts Normen- und Wertbegriffe in der Verständigung zwischen Ost- und Westeuropa. Das Forschungsvorhaben wurde von der Volkswagenstiftung im Rahmen des Programms Einheit in der Vielfalt? gefördert und stellt mit seiner Verknüpfung von linguistischen, philosophischen und soziologischen Betrachtungsweisen eine notwendige Perspektiverweiterung für die aktuellen politischen und kulturellen Auseinandersetzungen um den Vereinigungsprozess Europas dar. Die internationalen Beiträge untersuchen Kontinuität und Wandel in Europa, dessen Sprachen, Sinn- und Werteordnungen von der Vergangenheit bis in die Gegenwart.

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II. Normen- und Wertbegriffe in Ost- und Westeuropa: Empirische Befunde

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Frieden und Autonomie – eine europäische sprachliche und konzeptionelle Symbiose? Bettina Bock Problemstellung Aber nur durch einen universellen Republikanismus kann der politische Imperativ vollendet werden. Dieser Begriff ist also kein Hirngespinst träumender Schwärmer, sondern praktisch notwendig, wie der politische Imperativ selbst. Seine Bestandteile sind: 1) Polizierung aller Nationen; 2) Republikanismus aller Polizierten; 3) Fraternität aller Republikaner; 4) Die Autonomie jedes einzelnen Staats, und die Isonomie aller. Nur universeller und vollkommener Republikanismus würde ein gültiger, aber auch allein hinlänglicher Definitivartikel zum ewigen Frieden sein. (Friedrich Schlegel, Versuch über den Begriff des Republikanismus).1 1796 entwarf Friedrich Schlegel, veranlasst durch Kants Schrift „Zum ewigen Frieden“, diese Gesellschaftsutopie. Als höchstes Ziel sieht er dabei den Frieden an. Die Demokratie, die bei ihm Republikanismus heißt, ist das Mittel dazu. Rechtliche Gleichheit, die sich hinter dem Begriff Isonomie, aber auch hinter dem Konzept der Fraternität, der „Brüderlichkeit“, verbirgt, und die Autonomie sind für ihn zentrale Voraussetzung. Das Nebeneinander der beiden Begriffe Frieden und Autonomie in einem Text ist nicht unbedingt selbstverständlich – in Kants Schrift „Zum ewigen Frieden“ fehlt es. Im Folgenden soll nun der Wort- geschichte der beiden Begriffe nachgespürt werden, um zu sehen, ob und wie die beiden Konzepte und die dahinter stehenden Begriffe eine Symbiose einge- hen. Außerdem stellt sich die Frage, ob es sich dabei um ein gesamteuropäisches Phänomen handelt. Es werden deshalb zum Vergleich zwei „westeuropäische“ ger- manische Sprachen – das Deutsche und das Englische...

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