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Allgemeine Pädagogik am Beginn ihrer Epoche

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Edited By Jürgen Rekus

Die vermeintlich «evidenzbasierten» Bildungsreformen haben seit mehr als zehn Jahren viel Wind gemacht, aber nicht zum Sturm auf die Bildung geblasen. Heute gerät die Allgemeine Pädagogik als kritische Reflexionsinstanz nach Jahren abseitiger Theoriediskussionen wieder in den Blick der öffentlichen Erwartung und bildungspolitischen Aufmerksamkeit und steht am Beginn einer neuen Epoche. In ihrer historisch-systematischen Perspektive kann sie helfen, die von der empirischen Bildungsforschung aufgeklärte Realität zu würdigen und für die Zukunftsgestaltung zu gewichten. Sie ist keineswegs rückwärtsgewandt, blickt aber vor dem Überholen in den Rückspiegel. Allgemeine Pädagogik ist keine Alternative zur empirischen Bildungsforschung, sondern ihr notwendiges Komplement.

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GRUNDFRAGEN

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17 Marian Heitger Bildung als Aufgabe in der Zeit – Die Koinzidenz von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in der Person Aurelius Augustinus, einer der wenigen, die sich frühzeitig mit dem Problem der Zeit beschäftigt haben, schreibt in seinen Bekenntnissen im 11. Buch: „Was ist Zeit? Solange mich niemand fragt, weiß ich es; wenn ich es einem auf seine Fra- gen hin erklären will, weiß ich es nicht“ (Augustinus 1941, S. 306). Diese Verlegenheit mag der Grund dafür sein, dass für die gegenwärtige Pädago- gik das Thema Zeit keines ihrer vordringlichen Themen ist, allenfalls in einer verkürzten und pervertierten Form abgehandelt wird, wenn sie unter dem An- spruch des ökonomischen, in einer engen Verbindung mit der Ideologie eines al- les beherrschenden Nutzens als Zukunftssorge thematisiert wird. Sie artikuliert sich unter diesem Leitsatz in dem Slogan: Zeit ist Geld; diese Gleichsetzung, so dumm und falsch sie ist, - denn für Geld, so hoch man es auch schätzen mag, - kann man Zeit nur scheinbar kaufen. Dennoch wird sie in der sog. zeitgenössischen Erziehungswissenschaft und bei vielen Reformern und dem Zeitgeist verfallenen Vertretern unseres Faches unter dem Gedanken des Nutzens gesehen. All ihr Denken und die von ihnen vorgeschlagenen Maßnah- men zielen darauf ab, jene Mittel und Methoden zu erforschen und dann zur Anwendung zu bringen, die möglichst zeit- und deshalb kostensparend verwert- bare Qualifikationen produzieren. Damit wird ein Zeitbegriff unterstellt, der seine Herkunft aus dem kausalen Den- ken nicht leugnen...

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