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Diagnostik von (umschriebenen) Sprachentwicklungsstörungen

Eine interdisziplinäre Leitlinie

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Ulrike de Langen-Müller, Christina Kauschke and Katrin Neumann

Störungen der Sprachentwicklung gehören zu den häufigsten Entwicklungsstörungen. Die interdisziplinäre Leitlinie (LL) soll zur Optimierung der (Differenzial-)Diagnostik beitragen. Dies erfordert eine Abgrenzung zwischen therapie- vs. förderbedürftigen Sprachauffälligkeiten sowie zwischen umschriebenen Sprachentwicklungsstörungen und Sprachentwicklungsstörungen bei Komorbidität(en). Die Diagnostik basiert auf der ICD-10 und ist in einem Algorithmus festgehalten. Als Orientierungshilfe dienen Tabellen, die wesentliche Symptome zur Berücksichtigung in den pädiatrischen Vorsorgeuntersuchungen (U1 – U9) sowie aktuelle Tests und Untersuchungsverfahren zur Sprachentwicklung auflisten. Zur Optimierung des diagnostischen Vorgehens wird die Zusammenarbeit von Ärzten, Psychologen und Logopäden/akademischen Sprachtherapeuten empfohlen. Die LL wurde von dreizehn wissenschaftlichen Fachgesellschaften bzw. Berufsverbänden durch eine strukturierte Konsensusfindung entwickelt und richtet sich an alle, die Sprachdiagnostik und Sprachtherapie veranlassen und/oder durchführen.

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2. Diagnostik

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2.1 Aufgaben, Ziele und Methoden der Diagnostik Ziel der Diagnostik ist es, vorhandene Symptome so gut wie möglich einzuord- nen und ggf. Störungsschwerpunkte zu ermitteln. Hieran müssen sich eine stö- rungsspezifische Beratung der Familie und ggf. eine individuelle Behandlung des Kindes anschließen. Insbesondere gilt es, behandlungsbedürftige Sprach- entwicklungsstörungen rechtzeitig zu erkennen, d. h. von förderungsbedürftigen Auffälligkeiten abzugrenzen, und eine Therapie, ggf. eine Sprachtherapie, ein- zuleiten. Die Festlegung einzelner Behandlungskomponenten des Heilmittels „Sprachtherapie“ erfordert eine weiterführende Diagnostik. Die Differenzialdiagnostik erfolgt in mehreren Schritten und interdiszipli- när. In Ermangelung evidenzbasierter Untersuchungsmethoden für den sprach- lich-kommunikativen Bereich geben die vorliegenden Leitlinien Empfehlungen auf der Basis von Expertenwissen. Ein algorithmisches Diagnostikschema wird vorgeschlagen. Diagnostik hilft bei der Entscheidungsfindung für die Verordnung und Auswahl notwendiger therapeutischer Maßnahmen (Häcker et al. 2009). Entsprechend zielt die Diagnostik von Sprachentwicklungsstörungen auf die Untersuchung des körperlichen und psychischen sprach- und kommunikationsrelevanten Entwicklungs- standes sowie auf die Abklärung von Entwicklungsvor- aussetzungen und -bedingungen eines Individuums für den primären Spracherwerb. Sprachentwicklungsdia- gnostik muss therapie- pflichtige Störungen von för- derungsbedürftigen Auffäl- ligkeiten abgrenzen. Der diagnostische Prozess beginnt mit der Anamne- seerhebung, auch unter Anwendung von Fragebögen, in der die Einschätzung der vermeintlichen Auffälligkeiten durch enge Bezugspersonen einen besonderen Stellen- wert hat. Es folgen medizinisch-psychologische Unter- suchungen, (psycho-)linguistische Erhebungen wie Spontansprachanalysen, weiterhin die Anwendung in- formeller Untersuchungsinstrumente sowie psychome- trischer Screenings und Tests ( Tab....

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