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Das Waldorf-Berufskolleg

Entwicklung und Ergebnisse einer neuen Oberstufengestaltung der Waldorfschule

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Edited By Peter Schneider and Inga Enderle

Das Waldorf-Berufskolleg (WBK) ist eine eigenständige und zeitgemäße Antwort der Waldorfpädagogik auf die Veränderungen im staatlichen Schulwesen im Zuge von PISA. Die erste Waldorfschule war 1919 als volkspädagogischer Impuls angelegt, als «Unterglied» einer grundlegenden gesellschaftlichen Evolution. Ausgangspunkt war die Idee einer neuen Kultur von Arbeit und Persönlichkeit durch eine Pädagogik mit «Hand und Fuß». Theoretisches und künstlerisches Lernen sollten mit einem qualifizierten praktischen und beruflichen Tun zu einer neuen allgemeinen Menschenbildung verschmolzen werden. Diesen Ursprungsimpuls der Waldorfpädagogik greift das Waldorf-Berufskolleg wieder auf.

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Einleitung

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Die Veränderungen der staatlichen Schule (zentrale Lernstandserhebungen, Zentralabitur, Ver- kürzung der Gymnasialzeit auf 8 Jahre) und die Vorverlegung der mittleren Bildungsabschlüsse an Waldorfschulen könnten dazu führen, dass künftig viele Schüler die Waldorfschule nach der 11. Klasse verlassen, da sie nicht zum gymnasialen Abiturweg in Klasse 12 und 13 zugelassen werden oder diesen nicht gehen wollen. Für diese Schüler bietet die traditionelle gymnasial-ge- prägte Waldorfschul-Oberstufe keinen adäquaten Bildungsgang und -abschluss, was nicht päda- gogisch begründet ist, sondern sich aus dem historischen Kompromiss der ersten Waldorfschule 1919/20 erklärt. Im Ursprungsimpuls der Waldorfschule in Klasse 1-8 steht das praktisch-handwerklich-künst- lerische Lernen gleichwertig neben dem kognitiven Lernen. Rudolf SteineR wollte auch die Oberstufe dementsprechend als „praktisch-gymnasiale Einheitsschule“ entwickeln, konnte sie aber personell und schulpolitisch nicht durchsetzen. Die Waldorfschul-Oberstufe blieb pädago- gischer Torso, geriet in den Bann der Gymnasialpädagogik und entwickelte sich dem Typus nach als Alternative zum (musischen) Gymnasium.2 Während der kognitive Lernweg zum Abitur mit Studienberechtigung führt, bricht der praktische Lernweg ohne Qualifikationsabschluss in der Oberstufe ab. Das Modellvorhaben „Waldorf-Berufskolleg“ (WBK) greift den Ursprungsimpuls der Wal- dorfpädagogik auf und bietet nun die Möglichkeit eines handlungsorientierten Bildungsgangs mit dem Ziel einer integrierten Studien- und Berufsqualifikation („Doppelqualifikation“) in Form der allgemeinen Fachhochschulreife mit anrechenbarer Berufsgrundbildung. Das Modellvorhaben kommt daher einer institutionellen „Neugründung“ gleich und leitet eine handlungsorientierte curriculare Weiterentwicklung ein, die auch in der Oberstufe zu einer „Waldorfpädagogik mit Hand und Fu...

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